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Biografie The BB King Blues Band

Es lebe der König. Vier Jahre nach dem Tod des legendären B.B. King bleibt sein überragender Einfluss auf die Blueswelt - und darüber hinaus - ungebrochen. Von den langjährigen Fans, die von der einmaligen Konzertaufnahme Live At The Regal von 1965 noch immer fasziniert sind, bis zu den jungen Gitarristen, die mit einem Hauch von B.B.s berühmten Vibrato die Emotionalität ihrer eigenen Soli zu steigern versuchen, wird Kings Musik für immer und überall nachhallen. Dieses Jahr wird der Geist des unvergleichlichen Bluesman sogar noch stärker als sonst zu spüren sein – dank eines neuen, hochkarätig besetzten Albums namens The Soul Of The King.

               Der Begriff Legende ist eigentlich zu wenig, um B.B. Kings Stellung im Pantheon des Blues zu beschreiben. Seine Geschichte, die auf einer Baumwollplantage in Mississippi begann und ihn bis an die Spitze des Blues brachte, steht in seinen gefeierten Studioalben und sagenumwobenen Liveauftritten geschrieben. Mit seiner soulgetränkten Stimme und seiner Fähigkeit, mit nur einer gespielten Note die tiefsten Gefühle zu erzeugen, hat er das Genre geradezu revolutioniert. Nun möchte die B.B. King Blues Band – bestehend aus Musikern, die ihn über 35 Jahre lang zur Seite standen – das nächste Kapitel schreiben. Ihr Album The Soul Of The King mischt liebevolle Versionen von Klassikern aus Kings Diskografie mit bandeigenen Stücken. „Es es wichtig, dass sein Erbe weiterlebt“, sagt der ausführende Produzent Terry Harvey.

Mit gleich mehreren Songwritern von Weltrang in ihren Reihen liefert The B.B. King Blues Band Titel, die den Vergleich mit der Hinterlassenschaft ihres einstigen Bandleaders nicht scheuen brauchen. Der eingängige, von Bläsern verstärkte Shuffle Low Down, die brodelnde Ballade She’s The One, der beschwingte Funk von Taking Care Of Business und das denkwürdige Hey There Pretty Woman (von Trompetenlegende James ‚Boogaloo‘ Bolden) sind nur einige Beispiele. Joe Louis Walker zollt seine Anerkennung im großen Stil bei Regal Blues während Kenny Wayne Shepherd bei der Auftaktnummer Irene Irene einen meisterhaftes Gitarrensolo spielt, das King stolz gemacht hätte. „Diejenigen, die B.B. zur Lebzeiten nie live hören oder sehen konnten“, erklärt der Produzent Harvey, „bekommen von dieser Platte einen wichtigen Einblick in seinen Stil und seine Einflüsse.“

               Heutzutage traut sich kaum ein Musiker an den Songs von B.B. King ran, wohl aus Sorge, dass sie nicht annähernd so viel Soul ausstrahlen wie der Mann selbst. Kings ehemalige Begleiter dagegen – allesamt Jahrzehnte lang im Bluesgeschäft aktiv – haben seine Musik schon längst verinnerlicht. Bei den Sessions in den Paramount Recording Studios in Hollywood und in den Lucky Run Studios in Houston stellten sie ihr großes Können unter Beweis. „Nach 35 Jahren an B.B.s Seite, leben und atmen sie seine Musik“, sagt Harvey. „B.B. ist ein Teil von ihnen geworden.“

Aus Kings umfangreichem Katalog eine Songauswahl zu treffen, hätte zur Geduldsprobe werden können. Im Rahmen von The Soul Of The King hat das Lineup clever entschieden: Sie richteten sich nach dem jeweiligen Studiogast. „Sobald jemand seine Beteiligung am Projekt bestätigt hatte, haben wir uns daran gemacht, Songs aus dem Fundus von B.B. raus zu suchen, die gut zu dessen Stimme passen“, erinnert sich Harvey. „Wir wollten uns weitgehend am Original halten und trotzdem frischen Wind rein bringen. B.B. soll immer in Erinnerung bleiben, daher ist es wichtig, dass heute auch junge Menschen seine Musik kennen lernen.“

               Auftrag ausgeführt: Auf The Soul Of The King werden einige von Kings bekanntesten Stücken mit neuem Leben erfüllt. Michael Lee singt The Thrill Is Gone mit sehr viel Herz. Paying The Cost To Be The Boss bringt die Gesangs- und Gitarrentalente von Mary Griffin und Taj Mahal zusammen. Kenny Neal fesselt mit ergreifendem Gesang und bluesigen Gitarrenlicks bei Sweet Little Angel. „Zu beobachten, wie die verschiedene Künstler mit dieser Band arbeiten, war für mich eine aufschlussreiche Erfahrung“, reflektiert Harvey. „Jeder war gut vorbereitet, insbesondere Mary Griffin, die voller Elan ins Studio gekommen ist und ihren Gesangsbeitrag in nur zwei Takes fertig hatte.“

               Klar – die B.B. King Blues Band kann auf eine illustre Vergangenheit zurück schauen. The Soul Of The King zeigt allerdings, dass sie auch nach vorne blicken. Sie drücken damit die Liebe für ihren verstorbenen Kollegen aus und zeigen gleichzeitig, dass ihre Musik heute noch von Relevanz ist. „Mit diesem Album wollten wir der Welt zeigen, dass die Band von B.B. King noch gesund und munter ist“, resümiert Harvey. „Und, dass wir sein musikalisches Erbe in uns weiter tragen.“


  

Biografie Michael

Nur selten legt der Blues das Internet lahm. Es sei denn, er wird von Michael Lee gespielt. Bis heute haben mehr als sechs Millionen YouTube-Nutzer seine umwerfende Version des Klassikers „The Thrill Is Gone“ – einen herausragenden Moment von der letzten Staffel der Fernsehshow The Voice – auf dem beliebten Videoportal angeschaut. Deshalb gilt Lee als die Blueshoffnung, die das Genre bei Mainstream-Fans wieder populär machen kann. Mit dem Erscheinen seines namengebenden Debütalbums auf Ruf ist seine Zeit als das nächste große Ding nun endlich gekommen. „Diese Platte war eine Reise”, reflektiert er. „Eine Reise, die eine Menge Spaß gemacht hat.“

            Natürlich spielte er seine soulgetränkte Coverversion von B.B. King für das Album ein – und der Thrill ist definitiv nicht weg. Aber wie der Albumtitel vermuten lässt, ist diese neue Platte vielmehr ein Spiegelbild von Michael selbst. Die zehn eigenen Titel gewähren einen Einblick in das Herz und in die Gedankenwelt eines Künstlers, der schon Vieles erlebt hat. Er stammt aus einer Gegend in Texas, in dem man fast zwangsläufig den Blues begegnet. „Da ich aus der Ecke Dallas/Fort Worth komme, wundert es nicht, dass ich stark von Freddie King und Delbert McClinton beeinflusst bin. Aber ich gebe meine eigene Note dazu. Ich spiele eine Art Retro-Texas-R&B mit einer Prise Rock’n’Roll dazu.“

Wie geschickt Michael die Tradition mit seinem eigenen, modernen Feuer verbindet, konnte keiner absehen. Sein blitzschnelles Gitarrenspiel und die reife Soulstimme ermöglichten ihm den Sprung von den zahlreichen Club-Shows in der texanischen Heimat zu seinen Auftritten vor Millionen von Fernsehzuschauern bei The Voice. Im Jahr 2019 war er bereits mit der legendären B.B. King Blues Band als Gastsänger unterwegs. Die Vision für ein klassisches Studioalbum schwebt ihm schon länger im Kopf. „Noch vor den Proben mit der Band hatte ich bereits ein klares Bild davon, wie das Album klingen sollte“, erinnert er. „Das, was wir mithilfe der beiden Produzenten Nick Choate und Nick Jay geschafft haben, hat alle Erwartungen übertroffen.“

Studiotrickserei kommt für den erfahrenen Bluesmusiker nicht in Frage. Lee singt stets direkt von der Seele. Deshalb wurden die Songs live aufgenommen, um die nackte Emotion und spontane Magie zwischen Michael und seiner erstklassigen Studioband einzufangen. Die dreckigen Beats, Fuzzbox-Gitarren und schlagkräftigen Horns der Auftaktnummer „Heart Of Stone“ geben den Ton an. Danach ändert sich die Stimmung schlagartig mit Lees herzzerreißenden Gesang als er bettelt „Don’t Leave Me“. „Weeds“ kombiniert fieberhafte Bläser mit einem nachdenklichen Songtext. „Als meine Frau und ich unser Haus bezogen haben“, erklärt er, „habe ich eines Tages in den Garten geschaut, der damals von Unkraut zugewuchert war, und mir vorgestellt, wie in Zukunft unsere Kinder dort spielen würden. Ich griff zur Gitarre und hatte den Titel in zehn Minuten fertig. Dieser Song war einfach prädestiniert.“

Ein typischer Fall für Lee, der überall seiner Inspiration findet. „Praying For Rain“ überträgt die Tradition des Hochwasser-Blues in die heutige Zeit und besticht durch das Zusammenspiel des ansteckenden Riffs, der dröhnenden Beats und des stimmungsvollen Bläsersatzes („I haven’t seen water in forty damn days“). Der beschwingte Sound von „Love Her“ täuscht über den bissigen Text hinweg. („Es ist eine klassische Story über eine hinterhältige Frau“, sagt Michael.) „This Is“ flattert elegant aus den Boxen während „Can’t Kick You“ die süchtig machenden Vorzüge einer Frau zelebriert („I can kick the nicotine, I can kick the alcohol … but I can’t kick you“). „Bei einigen Titeln sollte man am liebsten die Fenster runter kurbeln und das Autoradio voll aufdrehen“, betont Michael. „Bei anderen ist eher Kerzenlicht und ein Glas Wein mit einer geliebten Person angesagt.“

            Im weiteren Verlauf des Albums schaltet Michael gekonnt zwischen verschiedenen Stimmungen. „Fool Of Oz“ hat eine karge Gitarrenphrase und unverblümten Text. Lee singt den von Bläsern gestärkten „Here I Am“ mit einer besonderen Schärfe („Don’t leave me stranded in the pouring rain“). „Go Your Own Way“ überzeugt durch virtuoses Gitarrenspiel und eine düstere Geschichte über Sümpfe und Gangster.

            In einem Zeitalter von Musik als Massenware ist Michael Lee der waschechte Bluesman, auf den wir gewartet haben. Jetzt legt er ein Album vor, auf dem er sein ganzes Können zeigt. „Ich freue mich auf die Zukunft“, sagt er hoffnungsvoll, „und bin neugierig auf das, was noch kommt.“

Biografie Katarina

Konsequent den eigenen Weg zu gehen erfordert Mut. Zwischen ihrem Geburtsort Belgrad und dem MARZ Studio in Texas, wo ihr großartigiges neues Abum entstanden ist, liegen für Katarina Pejak viele Meilen und unzählige Zwischenstopps. Jetzt ist die preisgekrönte Musikerin ihrer Muse gefolgt und hat sich mit der frischen Sammlung von Songs auf Roads That Cross neu erfunden. Inspiriert von Blues, Jazz, Country und Rock’n‘Roll – und geprägt von allen Städten, in denen sie bislang gelebt hat – sprengt sie mit ihrer Musik Grenzen und führt Menschen zusammen. Ihr Produzent Mike Zito bringt es auf den Punkt: „Katarina ist ein Unikat.“

            Mit Roads That Cross, ihrem Debüt auf dem ikonischen Ruf Records-Label, hat Katarina das Potential erfüllt, das schon seit Beginn ihrer Karriere bei ihr erkennbar ist. Kurz nach der Jahrtausendwende fällt sie bereits durch ihre etwas andere Art auf: Eine klassisch ausgebildete Pianistin, die von Tom Waits, Bessie Smith, Van Morrison und Otis Spann schwer angetan ist und es sich zum Ziel setzt, Songs von gleichen Niveau zu komponieren.

Als Teenager tritt sie in den Blueslokalen der serbischen Hauptstadt auf und ist dort durch ihr mitreißendes Spiel und rauchige Gesangsstimme rasch in aller Munde. Doch sie schaut weiter über den Tellerrand. 2011 gewinnt Pejak ein Stipendium und fängt mit ihrem Studium auf der renommierten Berklee College of Music in den USA an, wo vor ihr Stars wie Steve Vai und Quincy Jones ausgebildet wurden. „Es war unglaublich, aber auch hart“, blickt sie zurück. „Dozenten wie Dave Limina und Pat Pattison haben meine Persönlichkeit als Musikerin sehr geprägt.“

            Auf Berklee gewinnt sie den renommierten Songwriting Achievement Award, während sie in ihrer serbischen Heimat mit den Alben Perfume & Luck (2010), First Hand Stories (2012) und Old New Borrowed And Blues (2016) Kritiker und Fans gleichermaßen überzeugen kann. Dabei setzt sie vermeintliche Genregrenzen außer Kraft. Der rote Faden ist stets die unüberhörbare Aufrichtigkeit ihrer Musik, mit der sie ihr Publikum zu fesseln weiß. Bald steht sie mit der Bluesprominenz dieser Welt Seite an Seite. „Ich hatte schon das Privileg mit einigen Größen die Bühne zu teilen“, freut sie sich, „darunter Ronnie Earl, Mike Zito, Anson Funderburgh, Mark Hummel und Ana Popović.“

            Mittlerweile hat Katarina ihre Zelte in der Musikmetrople Nashville aufgeschlagen. Doch Roads That Cross ist durch und durch Texas. Erst vor kurzem ist sie dorthin angereist und zwar mit einem klaren Ziel, nämlich mit ihren neuesten Songs und einer hochtalentierten Studioband ihr bis dato bestes Album zu machen. Mike Zito hat sie im Rahmen der Aufname jedenfalls schwer beeindruckt. „Diese junge Frau aus Serbien kam nach Südost Texas, war im Studio von Amerikanern umgeben und traute sich, die Zügel in die Hand zu nehmen. Schon länger habe ich keine so guten Songs gehört, wie die von Katarina. Ihre Stimme ist raffiniert und verführerisch und ihr Pianospiel höchstexplosiv. Sie hat Gefühl, Leidenschaft und will unbedingt, das etwas Magisches passiert.“

            Auftrag ausgeführt. Roads That Cross nimmt einen mit auf eine magische Reise durch grundverschiedene Emotionen und Stimmungen. She’s Coming After You begeistert mit einem Latin-Groove, widerhallenden Gitarren und einer Story über eine Femme fatale, die dem Erzähler ebenso adelig wie teuflisch erscheint. („Looks like the Devil’s daughter/Walks like a baroness“) Das kantige, Reggae-artige Stück Down With Me liefert sie ebenso souverän wie das jazzige The Harder You Kick, das von Pejak’s erstklassigem Orgelspiel und starkem Gesang getragen wird. Auf dem fröhlichen Cool Drifter verpackt sie das Thema Weltflucht im souligen Gewand. Aber auch die Hörer, die auf dreckige Bluesriffs und staubtrockene Grooves stehen, kommen nicht zu kurz: Moonlight Rider ist an einen Liebhaber gerichtet, der sie bald verlassen wird. „Erst hinterher ist mir aufgefallen“, bemerkt Pejak, „dass es bei vielen dieser Songs ums Abschied nehmen geht.“

            Zum Glück signalisiert Roads That Cross für die meisten Fans – u.a. auch diejenige, die Katarina Pejak auf der Blues Caravan-Tour 2019 hautnah erleben werden – erst den Beginn einer vielversprechenden Beziehung. Nach einem schnellen Karrierestart hat sie es bis zum sagenumwobenen Crossroads geschafft und macht sich nun bereit, auf die Überholspur zu wechseln. „Sie bringt dich zum Nachdenken“, bewundert Mike Zito. „Sie bringt dich zum Weinen. Bis zum Ende dieser Platte wird sie dich völlig in ihren Bann gezogen haben. Und das ist erst der Anfang.“

Biografie Ally

Texas. Schon der Name erweckt Assoziationen mit wichtigen Kapiteln in der Geschichte des Rock’n‘Rolls. In den Kneipen des sogenannten Lone Star-Staates reden ältere Herren noch immer über Lokalmatadore wie ZZ Top, Johnny Winter und Stevie Ray Vaughan. Jetzt macht sich Ally Venable mit ihrem Album Texas Honey bereit, auch ihren Namen in die Geschichtsbücher einzutragen und zwar mithilfe des prominenten Wahltexaners Mike Zito. „Ally ist die Zukunft des Blues und gleichzeitig eine Kreuzung zwischen Blues und amerikanischem Roots-Rock“, schwärmt Zito. „Sie ist Texas Honey.“

            Venable ist erst Anfang zwanzig, aber keineswegs eine Unerfahrene. Schon als Kind zu Beginn dieses Millenniums entdeckte sie in der Kirche ihre eigene Stimme. Sehr bald prägten die in Dallas geborene Gitarrenlegende Stevie Ray Vaughan und die ebenfalls aus Texas stammende Countrysängerin Miranda Lambert ihre weitere Laufbahn. „Was ich an Stevie bewundere ist, dass er viele Menschen an den Blues herangeführt hat, die vorher nichts mit dieser Musik am Hut hatten“, überlegt Venable. „Das Gleiche möchte ich auch mit meiner Musik erreichen.“

Mit ihrer soulgetränkten Stimme, ihrer brandheißen Gitarre und ihrem offenherzigen Songwriting schaffte sie es, Texas im Nu zu erobern. Im Powertrio mit ihrem Bassisten Bobby Wallace und dem Schlagzeuger Elijah Owings sauste sie dann durch den amerikanischen Süden, u.a. als Support für Bluesrock-Titanen wie Lance Lopez und Eric Gales. „Texas ist ja für seine Gitarrenhelden bekannt. Meine Shows und auch mein Songwriting stehen in dieser Tradition“, erklärt Venable. „Als Powertrio spielen wir äußerst aggressiv und halten nichts zurück.“

Die Energie ihrer Liveshows wurde zunächst auf den beiden Studioalben No Glass Shoes (2016) und Puppet Show (2018) erfolgreich eingefangen: Letzteres wurde von Blues Rock Review als „einzigartig“ gelobt und stieg sowohl bei Billboard als auch bei iTunes in die Top Ten der Blues-Charts. Gleichzeitig heimsten Venable und ihre Band etliche Auszeichnungen bei den East Texas Music Awards (ETX) ein, u.a. in den Kategorien für die beste Gitarristin, die beste Bluesband und das Album des Jahres.

All das ebnete den Weg für Texas Honey. Venables Plattendebüt bei Ruf Records – das parallel zur Blues Caravan 2019 Tour erscheint – wurde im MARZ Studio im texanischen Nederland eingespielt, wo Produzent Mike Zito die junge Musikerin zu einer neuen Bestleistung anstachelte. „Das Album ist nach wie vor gitarrenbetont“, reflektiert Ally. „Aber diesmal stehen das Songwriting, die Hooks und die Melodien eher im Vordergrund. Ich habe über eigene Erfahrungen geschrieben oder Dinge, die die Menschen hoffentlich nachempfinden werden. An diesen Songs sollten sie sich freuen und dabei ihre Sorgen vergessen können.“      

            Den Hörer erwarten liebliche Bluesklänge – und ganz viel Biss. Die scharfen Riffs, das weißglühende Solo und der hymnische Refrain von „Long Way Home“ am Anfang der Platte geben genau den richtigen Ton an. Bei „One-Sided Misunderstanding“ treffen reflektierte Textstrophen auf einen übersteuerten Refrain. „Running After You“ lebt von einem gemeingefährlichen Kreissägen-Riff verpackt mit einer unverblümten Ausdrucksweise (“If you want to leave then go/But just know I’m not running after you”).

            Die düstere Strophen von „Broken“ führen zu einem bombigen Refrain, während die klassische Bluesgeschichte „Blind To Bad Love“ von einem bösen Liebhaber erzählt, der nicht mehr aus dem Kopf gehen will. (“I’ve tried everything to get you out of my head”). Auf dem gitarrenbetonten Titelsong lässt Ally ihren Fingern freien Lauf und das geradezu brutale „White Flag “ besticht mit verzerrtem Gesang, brodelnden Licks und höhnischem Solo. Kaum zu widerstehen sind das Groove-orientierte „Nowhere To Hide“ und das Gesang-und-Gitarren-Duett „Come And Take It“ mit dem gefeierten Saitenhexer Eric Gales. „Es war mir eine Ehre dabei zu sein“, sagt der Stargast. „Eins ist klar: Die Menschen werden diese Platte lieben – genau wie ich. Boom!“

            Auf einem Album mit fast ausschließlich eigenen Songs lässt es sich Venable nicht nehmen, zwei Klassiker einzuspielen: Eine groovende Version des zeitlosen „Careless Love Blues“ und eine Lieberklärung an SRV in Form von „Love Struck Baby“. Damit setzt sie ein Sahnehäubchen auf das erste große Durchbruch-Album des Jahres 2019 – von einer talentierten Texanerin, die den Stoff zur Legende hat. „Ich bin sehr dankbar“, reflektiert Ally, „für all die coolen Dinge, die schon passiert sind, die gerade passieren und die in Zukunft noch auf mich zukommen…“        

Biografie The Ragtime Rumours

Dies geht an alle zermürbten Musikliebhaber. The Ragtime Rumours sind gekommen, um euch aufhorchen zu lassen. In einer Zeit, in der die abgestumpfte Musikindustrie nur noch nach ihren klanglosen Formeln arbeitet, kommen diese zeitreisenden niederländischen Visionäre und widersetzen sich jedwedem Reglement – und diese rebellische Haltung findet man über und über auf Rag ‘N Roll. Auf diesem revolutionären Debutalbum ist alles möglich, wenn die Geister von Robert Johnson und Django Reinhardt auf die Einflüsse von Tom Waits und Pokey LaFarge treffen, und dabei elf selbstgeschriebene und ein traditioneller Song herauskommen, die sowohl in den 1920er Jahren als auch 2018 entstanden sein könnten. „Wir verbinden unsere Liebe zu Ragtime-Musik mit den Stilrichtungen Blues, Gypsy-Jazz und Rock ’n‘ Roll“, erklärt die Band. „Wir nennen das Rag ’n‘ Roll.“

Es war ein raketengleicher Aufstieg für das Line-up bestehend aus Tom Janssen (Lead Vocals, Akustikgitarre, Banjo), Niki Van Der Schuren (Kontrabass, Vocals, Flöte, Baritonsaxophon), Thimo Gijezen (E-Gitarre, Akkordeon, Klavier, Vocals) und Sjaak Korsten (Schlagzeug, Kazoo, Waschbrett, Vocals). Spult man nur ein paar Jahre zurück, begann der Weg von The Ragtime Rumours wie der jeder anderen jungen Band: Als Straßenmusiker malochend spielten sie außerdem in jeder Kellerbar, die sie lassen würde. Doch dieses talentierte Quartett setzte sich schnell von den anderen Bands ab und begründete seine Karriere mit dem Sieg bei einigen sehr prominenten Wettbewerben: Sie machten den ersten Platz beim BRUL-Wettbewerb 2015, stürmten das Finale der Dutch Blues Challenge 2017, vertraten die Niederlande bei der International Blues Challenge in Memphis, Tennessee, und gewannen – vielleicht am beeindruckendsten- die diesjährige European Blues Challenge im norwegischen Hell.

All diese Titel – plus die erfolgreichen internationalen Tourneen durch Norwegen, Italien und Großbritannien – ließen keinen Zweifel daran, dass The Ragtime Rumours eine Bühne zum Beben bringen können. Es gab aber auch schon frühere Hinweise auf ihr Können im Studio. So verließen zum Beispiel die von Kritikern gefeierte EP Ain’t Nobody und die Spitzensingle Love & Lust kaum die Playlists der Radiostationen in ihrer niederländischen Heimat. Jetzt fängt Rag ‘N Roll die Ausgelassenheit und Energie ein, die man sonst verspürt, wenn man die Band aus erster Reihe live sieht. „Als wir dieses Album machten, gab es einen Haufen Nonsens, Spaß und Musik, wie immer“, erinnert sich die Band. „Wir wollten, dass es aufrichtig und authentisch klingt. Es wird den Menschen das Live-Gefühl geben, genauso wie auf der Bühne.“

Doch Rag ‘N Roll bringt uns auch eine ganze Reihe neuer Songs, die bestätigen, dass The Ragtime Rumours eine der kreativsten Bands der heutigen Zeit ist. Das Album startet stilsicher mit „Way Too Smart“, das durch seinen Hochgeschwindigkeits-Groove und die Texte überzeugt. Weitere Juwelen hört man zum Beispiel bei dem bluesigen, von der Harmonika bestimmten „Hookman“ oder dem flinken, nahezu Django-haften Gitarrenlicks bei „The Cigar“. Doch das Tempo ändert sich auch, etwa beim Honky-Tonk-Intro von „Stop That Train“, während das jazzige, von Van der Schuren mit herzzerreißendem Schmerz in der Stimme gesungene „Holly Woedend“ zu Tränen rührt.

Die Songtexte sind die andere Trumpfkarte des Albums. Sie sind alles, außer den gewöhnlichen „Junge-trifft-Mädchen-Geschichten“; sie sind oft lustig, ab und zu düster, manchmal surreal (oder eine Mischung aus allem). Es geht um Geld, sowohl beim völlig abgebrannten „Way Too Smart“ als auch beim knauserigen „Turn Every Dollar“ („I’m a cheap, cheap, cheap fucker“). Es geht um gescheiterte Beziehungen wie bei „Everywhere I Go“, wenn Janssen versucht einer früheren Freundin davonzulaufen („Drove planes, boats, trains, cars, rode on a camel’s back, oh, in my head I knew you would be back“). Es gibt auch klassische Story-Songs wie „Hookman“ und „Stop That Train“ mit ihren verrückten Charakteren. „Die Lieder sind über das das alltägliche Leben, nur sehr übertrieben“, beschreibt die Band ihre Songtexte, „und über die bemerkens- und bedauernswerten Menschen, die wir getroffen haben.“

In einer Welt, in der du denkst, du hättest bereits alles gehört, addiert sich das Talent von The Ragtime Rumours zum frischesten Debutalbum, das du dieses Jahr hören wirst. Diese Band mag die Jahre mit ihrer unwiderstehlichen „Vintage-Modern-Musik“ zurückdrehen – doch ihre Zeit ist jetzt.

Biografie Jeremiah Johnson

Wenn man einen Spaziergang entlang des Mississippis macht und sich in einer Bluesbar in St. Louis niederlässt, wird das Gespräch bald auf den Musiker kommen, der der Stadt ihren Soundtrack gegeben hat. Jeremiah Johnson hat sich seinen guten Ruf hart erarbeitet. Während seiner bereits zwei Jahrzehnte andauernden Karriere, gab es auch immer wieder Kämpfe und Narben – von der Einsamkeit eines Lebens auf Tour ganz zu schweigen. Doch der harte Weg hat ihn als Künstler geprägt und schließlich zu Straitjacket geführt: Das ungeschminkte Meisterwerk bringt es ohne Umwege auf den Punkt. „Dieses Album ist echter amerikanischer Rock ’n‘ Blues mit Südstaaten-Soul“, erzählt Johnson. „Ich schließe einfach meine Augen und fühle, wie die Musik durch mich hindurch fließt...“

Nur wenige sind besser qualifiziert, um Amerikas modernen Melting Pot von Menschen, Kulturen und Musikgenres zu kommentieren. Im autobiographischen „9th & Russel“ erzählt uns der Bandleader, wie er in St. Louis Erfahrungen sammelte und dann sein Handwerk in Houston verfeinerte, wo er drei Jahre in Folge die Regional Blues Challenge gewann. Doch es war die Rückkehr in die Heimat im Jahr 2009, die für ihn den Durchbruch brachte, als er die Bühne der legendären Hammerstone’s Bluesbar betrat und die musikalischen Stile der beiden Städte in seinen einzigartigen Songs verband.

Seitdem hat er 2011 die St Louis Blues Society Challenge gewonnen, viel gerühmte Alben veröffentlicht (darunter auch das 2014 von Devon Allman produzierte Grind und das genreübergreifende Blues Heart Attack von 2016) und stand im Mittelpunkt der Dokumentation „Ride The Blues“, die Johnsons oft steinigen Karriereweg in der Musikszene zeigt. „Lasst mich einfach nur sagen, dass ich meine Erfahrungen mit Drogen und Alkohol gemacht habe“, erzählt er, „und ich brauchte lange, um dieses Problem in den Griff zu bekommen.“

Auf seinem neuen Album Straitjacket offenbart Johnson nun förmlich seine Seele. Die Produktion übernahm St. Louis‘ Lieblingssohn Mike Zito in dessen texanischen Mars Studios. Die erstklassige Besetzung mit Frank Bauer am Saxophon und Vocals, Benet Schaeffer am Schlagzeug und Tom Maloney am Bass verlangte danach, dass die Songs direkt aufgenommen werden mussten. „Wir wollten ein Live-Gefühl erzeugen“, erklärt Johnson. „Es gibt sicher viele Stellen, an denen ich ein besseres Solo spielen oder an denen ich mich mehr auf die Texte konzentrieren könnte. Doch letztendlich war es so gerade perfekt. Echt, menschlich, lebendig, unvollkommen vollkommen.“

Unbearbeitet und ohne Umschweife präsentiert, beschreiben diese Songs Johnsons Geschichte, Gedanken und Platz in der Welt. Johnson kann ausgelassen sein wie etwa bei dem schnellen, funkig-bluesigen Titelsong, in dem er sich über eine kontrollsüchtige Freundin beklagt, oder bei dem groovigen „Dirty Mind“, in dem es um die nächtlichen Anrufe einer Geliebten geht, die „ein bisschen Gesellschaft“ sucht. An anderer Stelle gibt es aber auch persönliche Momente wie bei „Keep On Sailing“ oder sozialkritische Kommentare wie bei „Believe In America“ und „Old School“. „Bei ‚Keep On Sailing‘ geht es um die Erkenntnis, dass die Leute, die man um sich hat, nur wegen der Drogen und des Alkohols da sind“, erklärt er. „‚Believe In America‘ beschreibt die Geldprobleme der Menschen und eine Regierung, die uns kleinen Leute einfach zurücklässt – aber ich sehe auch Menschen, die immer noch Vertrauen in unser Land haben. ‚Old School‘ ist wahrscheinlich der wichtigste Song auf diesem Album. In meiner Kindheit haben wir uns auch geprügelt. Wir haben unsere Lektion daraus gelernt und sind dann auseinander gegangen“. Heute zieht einer einfach seine Waffe...“

Es mag zwar auch Gewitterwolken auf Straitjacket geben, doch das Album endet mit einem Sonnenstrahl, wenn die Band bei Alvin Lees „Rock & Roll Music To The World“ es hörbar genießt, zusammen zu spielen und die Energie fast greifbar wird. („Wir haben einfach aufgedreht und losgelegt“). Johnson hofft, dass es euch genauso geht: „Ich möchte, dass sich die Leute diese Platte vom Anfang bis zum Ende anhören, bei einer Party richtig aufdrehen und mal so richtig abschalten können, wenn sie mit dem Auto oder der Harley-Davidson durch die Nacht fahren. Ich will, dass die Menschen sich komplett darauf einlassen und dabei ihren Gefühlen freien Lauf lassen.“

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