Biografie Jack Bruce & Robin Trower

Als die Nachricht durchsickerte, dass Jack Bruce und Robin Trower zum ersten Mal zusammen live auftreten würden, war die Sensation perfekt.
Der Bassmann und Sänger der legendären Cream, der von Blues bis Jazzrock immer neue Wege aufzeigte, und der begnadete Gitarrist von Procol Harum, dem die Fesseln des Fünfminutenpop schon früh zu eng wurden und der mit seiner Saitenkunst nie den Klischees des Mainstream folgte: Beide haben jeder mehr als 40 Jahre ganz weit vorne an der Geschichte des Rock mitgeschrieben. Bereits Anfang der Achtziger trafen sie sich im Studio für zwei bemerkenswerte Alben (B.L.T. 1981 und Truce 1982). Auf das lang erwartete erneute Zusammentreffen der beiden Titanen mussten die Fans anschließend 27 lange Jahre warten: Erst Anfang des letzten Jahres kam "Seven Moons" in die Läden.

Mit dem ein paar Jahre jüngeren Gary Husband (Level 42, Gary Moore, John McLaughlin) an den Drums bildeten die Veteranen Bruce und Trower ein Power Trio, das ausschließlich neues Material anging. Trower hatte das Grundgerüst der musikalischen Themen entworfen und im Team mit Jack Bruce wurden Songs daraus, feiner Bluesrock mit psychedelischen Farben und wunderbar ausgeloteten Sounds - ein Album, das den lebendigen Geist der kreativen Siebzigerjahre der Rockmusik ins dritte Jahrtausend transportierte. "Seven Moons" war das dritte gemeinsame Produkt zweier in die Jahre gekommener Musiker, und es war ihr Meisterwerk.

Knapp ein Jahr später meldete eine Fansite: "Bruce Trower & Husband to take ´Seven Moons´ into orbit! Nur für ein paar Abende werden Robin und Jack das erste Mal überhaupt gemeinsam live auftreten, Ende Februar 2009."

In der Tat: Nach zwei Gigs - Karlsruhe und Köln - sollte das Trio im holländischen Nijmegen spielen, wo ein großes Kamerateam das Konzert aufnehmen würde, hieß es. Fans aus Frankreich, England, Deutschland und anderswo reisten an, um das Ereignis mit den holländischen Anhängern der Band genießen zu können. Einer schrieb im Fanblog: Dann geben die sich wohl richtig Mühe, wenn die Kameras da sind. Der Abend wurde in der Tat etwas besonderes, aber nicht wegen der Filmleute und ihrer Geräte. Es war erst der dritte gemeinsame Auftritt des Trios, aber die drei Musiker hatten inzwischen etwas entdeckt: Dass sie zusammengehörten. Dass sie eine Einheit bildeten. Aus so etwas entsteht Freude, da kommt Spaß am Spiel auf (Das wissen alle Musiker und Fußballspieler). Kameras braucht man da nicht. Schauen wir mal rein in den Abend.

Es ist 20:45. Der historische Abend im ehrwürdigen Concertgebouw De Vereeniging beginnt pünktlich. Jack Bruce, inzwischen 65, begrüßt das Publikum mit einem knappen "Good Evening" und die Band startet mit dem Titelsong von "Seven Moons". Nach knapp vier Minuten dann das erste Solo von Robin Trower, der ein wenig jünger als der Bassmann ist. Beide haben sich Falten zugelegt, aber alt wirken sie nicht. Bruce steht die Freude über die faszinierende Einlage ins Gesicht geschrieben. Trower bemerkt, dass es gut ist, was er da macht, und strahlt. Kaum ist das Solo beendet, gibt´s einen Rhythmuswechsel, fast ohne Pause, und das Trio legt mit dem zweiten Stück los; es ist der Blues "Lives Of Clay". Irgendwann bemerkt Jack mit hübschen Understatement: "Now we are beginning to get somewhere."
Sie werden an diesem Abend fast das komplette Album "Seven Moons" spielen, sie werden auch eine wunderbar lockere Version von "Carmen" präsentieren, einem Song von damals, von dem Album "B.L.T.", nicht so gläsern, sondern soulful, ganz tief. Und natürlich spielen sie auch die Erkennungmarken von Bruce, die er einst für Cream zauberte: Als erstes "Sunshine Of Your Love", dieses Stück mit dem legendären Bass-Riff.Trower ist auch dabei ganz er selbst, keine Clapton-Kopie, sondern ein souveräner Melodiensammler, der mit seinen WahWah-Effekten ganz ohne Effekthascherei spielt und an diesem Abend über sich hinauswächst. Ist "White Room" in dieser Version mit dem "white Hendrix", wie man Robin in den USA getauft hat, vielleicht zu neuer Größe gewachsen? Auch die Zugabe "Politician" zeigt Trower mit einem abgehangenen Solo.

Es ist nicht nur bemerkenswert, wie locker das Trio mit den Themen arbeitet, die es sich an diesem Abend vorgenommen hat. Und das, wo Nijmegen erst die dritte gemeinsame Live-Show ist. Die Freude, mit der die drei Musiker hier aufeinander zu gehen, der Spaß, den sie selber an ihrem Spiel deutlich sicht- und hörbar empfinden, machen die Aufnahme von diesem Ereignis zu einem echten Dokument zeitloser Rockmusik. Es ist besonders schön, dass einer wie Jack Bruce nach schweren Schlägen des Schicksals wieder auf der Bühne steht und manches mit großem Humor nimmt. Was vermeldet da der mit Worten so sparsame Schotte während der Show? "It is fantastic to be here. For me personally it is fantastic to be anywhere, actually..." Es tut gut, solche Musiker unter uns zu haben.

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