Biografie Walter Trout

"Ich werde oft gefragt, ob man meine Musik lieber Blues oder Rock nennen sollte. Ich sage: Wenn Sie der Musik unbedingt einen Namen geben müssen, dann nennen Sie sie bitte 'Fred'."
Walter Trout - der mit dem Glaubenssatz "Der Blues sollte kein Museum sein ... die Musik muss ständig wachsen und lebendig bleiben" seine musikalische Einstellung zum Ausdruck bringt - hat während seiner 35-jährigen Karriere immer wieder solche Aussagen gemacht. Die Veröffentlichung von FULL CIRCLE macht Trouts Philosophie jetzt noch deutlicher. Zusammen mit befreundeten Musikern zeigt Trout, dass er alle Stilnuancen des Bluesgenres zu würdigen weiß. Das Album spiegelt seinen bemerkenswerten Lebenslauf wider, vom bescheidenen Anfang als Sideman für mehrere Blueslegenden über den Aufstieg als Solokünstler bis zu seiner jetzigen Stellung als einer der populärsten Interpreten des Blues.

Walter Trout wurde 1951 in Ocean City, New Jersey geboren. Er wuchs in einem Musik liebenden Haushalt auf und fühlte sich schon als Kind dazu berufen, Musiker zu werden. Seinen Anfang im Schulorchester machte er auf der Trompete. Sein Traum von einer professionellen Musikkarriere bekam einen entscheidenden Impuls, als er dem großen Duke Ellington begegnet ist - Walter nennt das Ereignis einen "Wendepunkt" in seinem Leben.
Zu seinem zehnten Geburtstag hatte seine Mutter das Treffen mit den Jazzlegenden Ellington, Cat Anderson, Johnny Hodges and Paul Gonsalves organisiert. So wurde der Grundstein für eine Musikkarriere gelegt.

Mitte der 60er stieg Trout dann auf E-Gitarre um. Der Wechsel kam, nachdem er das Album Paul Butterfield Blues Band featuring Mike Bloomfield gehört hatte. Dieses Album beeinflusste Trouts Einstellung zur Musik grundlegend und zementierte zugleich seine Vorliebe für Blues und für die E-Gitarre. In den Rillen dieser Vinylplatte hörte Walter, wie Bloomfields Gitarre mit seiner Seele sprach - in einer Sprache, die über die der Worte hinausging. Trout hat es sich daraufhin vorgenommen, diese musikalische Sprache zu lernen und widmete sein Leben daraufhin der Gitarre. Er verbrachte Stunden, Tagen, Wochen, Monate allein in seinem Zimmer und übte bis seine Finger bluteten. Leider führte seine Obsession dazu, dass der einstige Einserschüler schließlich auch die Schule abbrach. Trost fand Walter als schüchterner Teenager in einem turbulenten Haushalt einzig in seiner wachsenden Fähigkeit, seine Gefühle durchs Gitarrenspiel zum Ausdruck zu bringen und in seiner Vision von einer Profikarriere als Musiker.

Als junger Mann spielte Trout in einer Reihe von Bands in New Jersey und wurde so zum Konkurrenten von Bruce Springsteen mit seiner Band "Steel Mill." 1973 packte er seine Habseligkeiten in einen VW Käfer und fuhr quer durchs Land bis zur Westküste. Als er in Los Angeles ankam, besaß er nur ein paar Kleidungsstücke, eine Trompete, eine Mandoline und einige Gitarren.

Er entwickelte sich dort schnell zum gefragten Sideman und war mit vielen der hiesigen Blueskünstler unterwegs. Oft war er der einzige "white boy" in den schwarzen Lokalen. Gigs mit Finis Tasby, Pee Wee Crayton, Lowell Fulsom, Percy Mayfield u.a. führten dazu, dass sich seine technischen Fähigkeiten schnell verbesserten. Die extrem niedrigen Gagen des jungen Musikers wurden durch die Möglichkeit, sich musikalisch auszudrücken mehr als ausgeglichen. Leider übernahm Trout von seinen Musikerkollegen auch eine weniger hilfreiche Gewohnheit, nämlich den Alkohol- und Drogenmissbrauch. Er spielte jedoch häufig mit dem Hammond B3-Genie Deacon Jones zusammen und führte seine Ausbildung in den Bands von John Lee Hooker, Big Mama Thorton und Joe Tex weiter.

1981 führte Trouts guter Ruf zum Einstieg bei den Bluesrock-Veteranen von Canned Heat. Er blieb bis 1984 Bandmitglied. Auf ihren Tourneen innerhalb und außerhalb der USA lernte er den Alltag als tourender Musiker kennen. Nacht für Nacht entwickelte sich sein schon beachtliches Gitarrenspiel weiter und bestätigte seinen Ruf als einer der fähigsten Leadgitarristen der Szene. In einer Band, die berühmt war für ihre Exzesse, ging Trouts Drogenkonsum jedoch weiter.

Als er die Chance bekam, den legendären John Mayall's Bluesbreakers beizutreten und neben ihrem Gitarristen Coco Montoya im Rampenlicht zu stehen, zögerte Trout nicht. Mit Trout und Montoya stieg diese Band in Schwindel erregende Höhen auf - ihre Alben erreichten die bislang höchsten Verkaufszahlen ihrer Geschichte, während Tourneen in aller Welt große Beachtung in den Medien fanden. In seiner Zeit bei den Bluesbreakers glaubte Walter, seinen Kindheitstraum nun fast erfüllt zu haben. Aber gleichzeitig geriet sein ungesunder Lebensstil außer Kontrolle; im Tour-Rider der Band stand bsw., dass Trout jeden Abend eine Flasche Jack Daniels bekommen sollte. Die Offenbarung kam schließlich in Ostberlin, als die Band einige Shows neben Carlos Santana spielte. Nach einem Auftritt, den Walter im alkoholisierten Zustand absolviert hatte, nahm ihn Santana zur Seite und erklärte ihm in einem offenen Gespräch, dass er dabei war, sein gottgegebenes Geschenk zu vergeuden. Dass dieser musikalische Meister und Idol Trouts Talent erkannt hatte und privat seine Sorgen über dessen Selbstzerstörung äußerte, bedeutete für Walter einen Wendepunkt ... kurz darauf verschwanden Drogen und Alkohol aus seinem Leben.

Als er clean war, spürte Trout, dass er mehr zu bieten hatte als nur das gelegentliche feurige Gitarrensolo als Sideman für die Bluesbreakers. Eine dänische Plattenfirma und Touragentur hatte schon Interesse an einem möglichen Soloprojekt gezeigt, nachdem Walter eine Zeit lang die Bluesbreakers geführt und mit ihnen einen besonders inspirierten Auftritt geliefert hatte. (Mayall war zu diesem Zeitpunkt krank.) Trout ging ernsthaft in sich und entschied letztendlich, dass die Zeit für eine Solokarrierre gekommen war. Er stellte eine Band aus ihm bekannten Musikern aus Los Angeles zusammen und nannte sie The Walter Trout Band. Auf die Trennung von Mayall folgten schnell die ersten Tourerfolge in Europa; Trout füllte dort große Hallen und spielte auf Festivals. Seine Musik lief im Mainstream-Radio. Anfang der 90er landete er mit seinem einzigartigen Bluesrock in den Charts und hatte sogar einige Radio-Hits. Er tourte ständig und veröffentlichte in diesem Jahrzehnt insgesamt acht Alben. Mit jedem davon gewann er neue Fans dazu.

Der kommerzielle Erfolg und die positiven Kritiken in Europa hielten ihn derart auf Trab, dass seine US-Aufenthalte bald nur dazu dienten, sich von den Strapazen zu erholen, die seine Popularität in Europa mit sich brachte. Wie viele andere amerikanische Blues- und Rootsmusiker hatte Walter Trout in Europa eine unglaublich große Fangemeinde, war aber zuhause kaum beachtet. Da er inzwischen eine Familie gegründet hatte, hatte der Musiker aber kein Problem damit. Die Freizeit bot ihm Erholung von der Welt des Tourens und Musikmachens.

Man mag es kaum glauben, aber die CD WALTER TROUT, die 1998 bei Ruf Records erschien, war seine erste "offizielle" Veröffentlichung in den USA. Kurz danach wurde die Band in Walter Trout and The Free Radicals umbenannt. Sie tourten jetzt verstärkt in den USA und gewannen mit ihren höchst explosiven, leidenschaftlichen Konzerten langsam, aber stetig neue Fans dazu. Ob auf einer großen Bühne vor 50.000 Menschen oder im kleinen Club vor ein paar hundert Gästen - es ging Walter immer darum, durch seine Kunst die Herzen der Menschen zu erreichen. Er wollte seine Leidenschaft für die verschiedenen Musikstile vermitteln, die seinen eigenen Sound geprägt hatten.

Seitdem hat Ruf Records ein halbes Dutzend Walter Trout-CDs in den USA veröffentlicht, während Walter noch effektiv und häufig auf Tour gegangen ist. Um eine größere Fangemeinde in den USA zu erzielen, hat er in den vergangenen Jahren fast genau so viel Zeit dort wie in Europa getourt. Aber seine europäischen Fans haben ihm trotzdem die Treue gehalten.

Mit FULL CIRCLE zeigt Walter Trout, dass seine musikalische Leidenschaft heute noch genau so stark ist, wie in der Zeit vor über 35 Jahren, als er als Teenager mit seiner Musikkarriere anfing. Er betrachtet das neue Album als Hommage an die Menschen und die Zeiten, die seine Karriere entscheidend geprägt haben. Er zeigt damit auch, dass die vielen "Lager" innerhalb des Bluesgenres nebeneinander bestehen und sich gegenseitig bereichern können, ohne sich gegenseitig den Rang abzulaufen oder die Authentizität zu bekämpfen. Es ist schon immer Trouts Traum gewesen, die Grenzen zwischen den Bezeichnungen, die den verschiedenen Musikgenres anhaften, zu sprengen. Damit will er zeigen, dass es völlig unwichtig ist, WIE man Musik nennt. Schließlich ist das, was man durch die Musik fühlt, für Walter Trout das einzig Wichtige.

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