Biografie Heather Crosse

Heutzutage bringen viele aufkommende Künstler gern eine kräftige Rock-Note in ihren Blues ein. Heather Crosse nicht. Die Sängerin, Bassistin und Songwriterin glaubt fest an die zeitlose Kraft von Blues und R&B der alten Schule.
„Die Sprache des Blues und des Souls entspricht der Sprache meiner Seele“, sagt Crosse, die in den letzten zwei Jahrzehnten auf vielen Festivals und in zahlreichen Clubs im Süden der USA reichlich Erfahrungen gesammelt hat. Die aus Louisiana stammende Musikerin ist heute in der Bluesszene in und um die Stadt Clarksdale im Herzen des Mississippi Deltas aktiv. Dort spielte sie u.a. mit Bob Margolin, Guitar Shorty, James „Super Chikan“ Johnson und weiteren Bluesgrößen. Außerdem tritt sie seit Jahren regelmäßig im weltberühmten Ground Zero Blues Club auf. Anfang 2015 tourte Crosse mit der Blues Caravan 2015 „Girls With Guitars“-Tournee erfolgreich durch Europa und war am gleichnamigen, von Jim Gaines produzierten Album beteiligt. Das eher rockorientierte Projekt war aber nicht ganz ihr Ding, räumt sie ein.  
Mit dem Solodebut Groovin‘ At The Crosse Roads gibt sie nun ihr wahres Ich preis. Es geht hier um Blues – mit einem Hauch Soul. „Ich bin mit Motown aufgewachsen und habe von älteren Musikern viel Soulmusik aus den 70ern gelernt. Der Einfluss zeigt sich in meinem Songwriting“, erklärt Crosse, die fünf von elf Titel mit komponiert hat. Das Album mischt eigene Songs mit Klassikern von Blues- und Soulikonen wie Etta James und Big Mama Thornton – genau wie bei ihren Clubauftritten in Mississippi, bei denen die Zuhörer vor allem eines tun sollen: Das Tanzbein schwingen.
Auf dem Cover steht zwar nur ihr Vor- und Nachname, doch Crosse nahm Groovin‘ At The Crosse Roads mit der Band auf, die sie schon seit acht Jahren führt: Heavy Suga' & the SweeTones. Dazu gehören neben ihrem Songwriting-Partner und Lebensgefährten, dem Drummer Lee Williams (B.B. King, Big Jack Johnson) auch Keyboard-Ass Mark Yacovone (Kenny Brown, Maria Muldaur) sowie Gitarrist Dan Smith (Anson Funderburgh, Smokin' Joe Kubek). Nicht zufällig klingt das Ergebnis sehr nach vier Freunden, die sich musikalisch blind verstehen. „Diese Band ist wie eine Familie und besitzt eine einzigartige Dynamik. Wir haben eine sehr enge Beziehung zueinander“, sagt Crosse über die Entscheidung, ihre eigenen Musiker zum Studiotermin mitzunehmen.
Mit der Unterstützung des Grammy-prämierten Produzenten Jim Gaines (Stevie Ray Vaughan, Carlos Santana u.v.a.) ist Crosse und ihren Kollegen ein erstklassiges Einstiegswerk gelungen. An dem einen Ende des Spektrums stehen soulige Nummern wie die Musikerhymne „Hurryin' Up To Relax“ oder eine Coverversion des Top Ten-Hits „Rockin' Chair“, ursprünglich 1975 von Gwen McCrae eingesungen. Crosse hatte zunächst Bedenken, einen derart populären Titel aufzunehmen, vom Endergebnis war sie allerdings verblüfft. „Eine weiße Bassistin wagt sich an einen Soulklassiker aus den 70ern – so etwas hört man nicht jeden Tag!“, lächelt sie.
Am bluesigen Ende des Spektrums bietet Crosse „Walkin' In Their Shoes“ als warmherzige Erinnerung an diejenigen Musiker, die ihr den Blues beigebracht haben, sowie „Clarksdale Shuffle“ als Tribute an ihre Wahlheimat. „Diese Stadt hat in meinem Leben eine Schlüsselrolle gespielt“, sagt sie über ihren jetzigen Wohnort. „Ich war 18 und frisch von der Schule, als ich zum ersten Mal nach Clarksdale kam. Hier habe ich meine Liebe zum Blues entdeckt. In den Jahren darauf bin ich jedes Jahr zum ortsansässigen Sunflower Blues Festival gefahren, egal wie weit ich weg war, und schließlich bin ich nach Clarksdale gezogen.“
Von ihrer Zusammenarbeit mit der Produzentenlegende Gaines ist Crosse hellauf begeistert. „Jim hat es geschafft, meinen Gitarristen von Song zu Song völlig unterschiedlich klingen zu lassen. Ebenso meinen Keyboarder. Die Sounds sind vielfaltig und auch vielschichtig, von der B3-Orgel über Piano im Stil eines Pinetop Perkins oder dieses abgefahrene Ray Charles E-Piano…“ Ebenfalls erreichte sie unter Gaines Leitung gesanglich eine neue Bestleistung. „Er hat Töne aus mir heraus gekitzelt, von denen ich gar nichts wusste“, sagt Crosse über neue Facetten wie etwa ihr Fauchen beim Etta James-Klassiker „Damn Your Eyes“. Er gehört zu den mutigsten Momenten dieses etwas anderen Bluesalbums: Groovin‘ At The Crosse Roads geht im Gegensatz zu vielen aktuellen Produktionen nicht mit dem Vorschlaghammer ran, sondern greift stattdessen zu einem Satz feiner Pinsel, um eine bodenständige Blues- und Soullandschaft zu kreieren. Diese Aufnahme, glaubt Crosse, spiegelt ihre bisherige Reise in der Welt des Blues erfolgreich wieder. „Es ist alles, was ich gehofft hatte und noch viel, viel mehr.“
  

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