Biografie Andy Frasco & the U.N.

Das hier ist keine Show. Es ist eine Straßenparty. Am Tag 142 ihrer Konzertreise im Jahr 2016 rüttelt Andy Frasco & The U.N. die deutsche Kleinstadt Bamberg aus dem Tiefschlaf wach. Begeisterte Fans erstürmen die Bühne. Tubas werden in Brand gesetzt. Und im Auge des Sturms steht der Frontmann höchst persönlich: Ein wildhaariger, wirbelnder Derwisch, der beim Konzertöffner „C Boogie“ furios auf die Tasten seines Pianos einhämmert, bevor er mit dem Publikum auf Tuchfühlung geht. „Wir nehmen bei euch ein Live-Album auf!“, kündigt Frasco der Menge an. „Es wird unglaublich sein…“

Das neue CD/DVD-Set Songs From The Road von Ruf Records schafft es tatsächlich, das ganze Vollgas-Chaos einer Andy Frasco & The U.N.-Show einzufangen. Manche Bands rotzen ihre Setlist lustlos herunter. Nicht so diese rebellische Truppe aus den Vereinigten Staaten. Mit unbändiger Energie geben sie die Songs ihrer bisherigen vier Studioalben zum Besten – darunter auch der Durchbruchscheibe Happy Bastards von 2016 – und sorgen bei den Fans für Euphorie. „Das Publikum soll bei unseren Konzerten aus dem Häuschen geraten“, erklärt Frasco seine Zielsetzung. „Ich möchte den Menschen Auftrieb geben, sie glücklich machen – und sie dabei auch ein wenig zum Nachdenken anregen.“ Eine derartige Klasse als Live-Band kommt natürlich nicht über Nacht. Die Geschichte von Andy Frasco nimmt kurz nach der Jahrtausendwende in einem Vorort von Los Angeles seinen Anfang: Im zarten Alter von 13 Jahren nutzt er seinen großen Charme, um einen Job in der Plattenindustrie zu ergattern. Ein paar Jahre später tourt er schon mit einer von ihm unter Vertrag genommenen Band durch die USA. „Ich bin zu schnell aufgewachsen“, blickt er zurück. „Ich habe es geliebt, unterwegs zu sein und habe immer nach vorne geschaut. Versagen ist für mich niemals in Frage gekommen.“ In dieser Anfangszeit als PR-Mann lebt Frasco eher von seinem Charisma und gibt heute gern zu, dass er damals „eine Nummer abgezogen habe“, bis er gelernt hat zu singen und Piano zu spielen. Im Jahr 2007 stellte er seine Band die U.N. aus international erfahrenen Musikern auf die Beine, die seitdem eigentlich nie mehr aufgehört hat zu touren. „Wir sind eine Gruppe von Vagabunden“, sagt er. „Seit zehn Jahren leben wir quasi auf vier Rädern und haben im Schnitt etwa 250 Shows im Jahr gespielt. Wir sehen uns im Grunde als Arbeiter und gehen auf Tour, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen.“ Zwar werden sie manchmal gezwungen, auf Gitarrenkoffern, Gitarrenverstärkern oder irgendwo auf dem Boden zu schlafen – doch sie sind glücklich, weil sie dabei ihren Traumberuf ausüben. „Als sie noch eher unbekannt waren“, fährt Frasco fort, „haben Künstler wie Van Morrison oder The Band in jedem Café und in jeder Spelunke gespielt und die schlechten Rahmenbedingungen im Kauf genommen. So etwas lässt sich gut verkraften, wenn man den größeren Zweck im Auge behält. Bei uns heißt das: Die Menschen glücklich machen, wann immer wir können.“ Vor allem seit der Veröffentlichung von Happy Bastards im Jahr 2016 steht die buntbesetzte Combo aus Kalifornien hoch im Kurs. Das Songmaterial des Albums, das geschickt Elemente aus Funk, Soul, Rock, Roots und ihren ganz eigenen „Party Blues“ vermengt, ließ ahnen, dass hier eine Live-Band der Spitzenklasse am Werk war. Tatsächlich klangen Titel wie der funkige „Tie You Up“ und die Mitsing-Nummer „Mature As Fuck“ nie besser als beim mitgeschnittenen Auftritt in Bamberg. „Beim letzteren Stück geht es darum, dein Ding durchzuziehen und sich nicht darum zu kümmern, was andere Leute von dir denken“, erklärt Frasco, „weil man ja letztendlich schon erwachsen ist.“ Außerdem gibt es weitere Highlights aus dem bandeigenen Songkatalog wie „Sunny Day Soldier“ und „Stop Fucking Around“ vom gefeierten 2014er Studiowerk Half A Man. „Ich verzichte auf eine Setlist und gucke lieber, wie das Publikum drauf ist“, sagt der Frontman. „Dabei schneide ich mir eine Scheibe von Sängern wie Frank Sinatra oder James Brown ab, die stets wussten, wie man eine Bühne beherrscht.“ Was Frasco sicher auch tut. Als es Abend wird in Bamberg, steigt bei ihm der Energiespiegel sogar noch höher. Er klettert auf die Monitorboxen, lädt Kinder zum Tanz auf der Bühne und schickt die Menge per Kommando von einer Seite des Marktplatzes zur Anderen. („Links! Rechts!“). Und als es scheint, dass die Anarchie perfekt ist, kommt eine explosive Version des Klassikers „Killing In The Name“ von Rage Against The Machine, wobei Frasco seine Zuhörer ermutigt, als Geste des Ungehorsams den Stinkefinger zu zeigen. „Sei, wer immer du sein möchtest“, gibt er ihnen mit auf den Weg, bevor er sich mit „Now let’s get the fuck out of here“ den verdienten Feierabend einläutet. Wer Andy Frasco & The U.N. noch nie auf der Bühne erlebt hat, verpasst eine der großen Live-Bands unserer Zeit. Mit Songs From The Road bekommt man nun einen Platz in der ersten Reihe. „Ich möchte aus jeder Show ein Fest machen“, sagt Frasco zum Schluss. „Die Menschen sollen für ein paar Stunden jegliche Sorgen vergessen und völlig im Moment leben. Ich glaube, Songs From The Road fängt das Wesen unserer Band besser ein als jede Aufnahme, die wir bisher gemacht haben.“

Logo Ruf ist Mitglied...

BluesFoundationlogo kl