Biografie The Ragtime Rumours

Dies geht an alle zermürbten Musikliebhaber. The Ragtime Rumours sind gekommen, um euch aufhorchen zu lassen. In einer Zeit, in der die abgestumpfte Musikindustrie nur noch nach ihren klanglosen Formeln arbeitet, kommen diese zeitreisenden niederländischen Visionäre und widersetzen sich jedwedem Reglement – und diese rebellische Haltung findet man über und über auf Rag ‘N Roll. Auf diesem revolutionären Debutalbum ist alles möglich, wenn die Geister von Robert Johnson und Django Reinhardt auf die Einflüsse von Tom Waits und Pokey LaFarge treffen, und dabei elf selbstgeschriebene und ein traditioneller Song herauskommen, die sowohl in den 1920er Jahren als auch 2018 entstanden sein könnten. „Wir verbinden unsere Liebe zu Ragtime-Musik mit den Stilrichtungen Blues, Gypsy-Jazz und Rock ’n‘ Roll“, erklärt die Band. „Wir nennen das Rag ’n‘ Roll.“

Es war ein raketengleicher Aufstieg für das Line-up bestehend aus Tom Janssen (Lead Vocals, Akustikgitarre, Banjo), Niki Van Der Schuren (Kontrabass, Vocals, Flöte, Baritonsaxophon), Thimo Gijezen (E-Gitarre, Akkordeon, Klavier, Vocals) und Sjaak Korsten (Schlagzeug, Kazoo, Waschbrett, Vocals). Spult man nur ein paar Jahre zurück, begann der Weg von The Ragtime Rumours wie der jeder anderen jungen Band: Als Straßenmusiker malochend spielten sie außerdem in jeder Kellerbar, die sie lassen würde. Doch dieses talentierte Quartett setzte sich schnell von den anderen Bands ab und begründete seine Karriere mit dem Sieg bei einigen sehr prominenten Wettbewerben: Sie machten den ersten Platz beim BRUL-Wettbewerb 2015, stürmten das Finale der Dutch Blues Challenge 2017, vertraten die Niederlande bei der International Blues Challenge in Memphis, Tennessee, und gewannen – vielleicht am beeindruckendsten- die diesjährige European Blues Challenge im norwegischen Hell.

All diese Titel – plus die erfolgreichen internationalen Tourneen durch Norwegen, Italien und Großbritannien – ließen keinen Zweifel daran, dass The Ragtime Rumours eine Bühne zum Beben bringen können. Es gab aber auch schon frühere Hinweise auf ihr Können im Studio. So verließen zum Beispiel die von Kritikern gefeierte EP Ain’t Nobody und die Spitzensingle Love & Lust kaum die Playlists der Radiostationen in ihrer niederländischen Heimat. Jetzt fängt Rag ‘N Roll die Ausgelassenheit und Energie ein, die man sonst verspürt, wenn man die Band aus erster Reihe live sieht. „Als wir dieses Album machten, gab es einen Haufen Nonsens, Spaß und Musik, wie immer“, erinnert sich die Band. „Wir wollten, dass es aufrichtig und authentisch klingt. Es wird den Menschen das Live-Gefühl geben, genauso wie auf der Bühne.“

Doch Rag ‘N Roll bringt uns auch eine ganze Reihe neuer Songs, die bestätigen, dass The Ragtime Rumours eine der kreativsten Bands der heutigen Zeit ist. Das Album startet stilsicher mit „Way Too Smart“, das durch seinen Hochgeschwindigkeits-Groove und die Texte überzeugt. Weitere Juwelen hört man zum Beispiel bei dem bluesigen, von der Harmonika bestimmten „Hookman“ oder dem flinken, nahezu Django-haften Gitarrenlicks bei „The Cigar“. Doch das Tempo ändert sich auch, etwa beim Honky-Tonk-Intro von „Stop That Train“, während das jazzige, von Van der Schuren mit herzzerreißendem Schmerz in der Stimme gesungene „Holly Woedend“ zu Tränen rührt.

Die Songtexte sind die andere Trumpfkarte des Albums. Sie sind alles, außer den gewöhnlichen „Junge-trifft-Mädchen-Geschichten“; sie sind oft lustig, ab und zu düster, manchmal surreal (oder eine Mischung aus allem). Es geht um Geld, sowohl beim völlig abgebrannten „Way Too Smart“ als auch beim knauserigen „Turn Every Dollar“ („I’m a cheap, cheap, cheap fucker“). Es geht um gescheiterte Beziehungen wie bei „Everywhere I Go“, wenn Janssen versucht einer früheren Freundin davonzulaufen („Drove planes, boats, trains, cars, rode on a camel’s back, oh, in my head I knew you would be back“). Es gibt auch klassische Story-Songs wie „Hookman“ und „Stop That Train“ mit ihren verrückten Charakteren. „Die Lieder sind über das das alltägliche Leben, nur sehr übertrieben“, beschreibt die Band ihre Songtexte, „und über die bemerkens- und bedauernswerten Menschen, die wir getroffen haben.“

In einer Welt, in der du denkst, du hättest bereits alles gehört, addiert sich das Talent von The Ragtime Rumours zum frischesten Debutalbum, das du dieses Jahr hören wirst. Diese Band mag die Jahre mit ihrer unwiderstehlichen „Vintage-Modern-Musik“ zurückdrehen – doch ihre Zeit ist jetzt.

Biografie Jeremiah Johnson

Wenn man einen Spaziergang entlang des Mississippis macht und sich in einer Bluesbar in St. Louis niederlässt, wird das Gespräch bald auf den Musiker kommen, der der Stadt ihren Soundtrack gegeben hat. Jeremiah Johnson hat sich seinen guten Ruf hart erarbeitet. Während seiner bereits zwei Jahrzehnte andauernden Karriere, gab es auch immer wieder Kämpfe und Narben – von der Einsamkeit eines Lebens auf Tour ganz zu schweigen. Doch der harte Weg hat ihn als Künstler geprägt und schließlich zu Straitjacket geführt: Das ungeschminkte Meisterwerk bringt es ohne Umwege auf den Punkt. „Dieses Album ist echter amerikanischer Rock ’n‘ Blues mit Südstaaten-Soul“, erzählt Johnson. „Ich schließe einfach meine Augen und fühle, wie die Musik durch mich hindurch fließt...“

Nur wenige sind besser qualifiziert, um Amerikas modernen Melting Pot von Menschen, Kulturen und Musikgenres zu kommentieren. Im autobiographischen „9th & Russel“ erzählt uns der Bandleader, wie er in St. Louis Erfahrungen sammelte und dann sein Handwerk in Houston verfeinerte, wo er drei Jahre in Folge die Regional Blues Challenge gewann. Doch es war die Rückkehr in die Heimat im Jahr 2009, die für ihn den Durchbruch brachte, als er die Bühne der legendären Hammerstone’s Bluesbar betrat und die musikalischen Stile der beiden Städte in seinen einzigartigen Songs verband.

Seitdem hat er 2011 die St Louis Blues Society Challenge gewonnen, viel gerühmte Alben veröffentlicht (darunter auch das 2014 von Devon Allman produzierte Grind und das genreübergreifende Blues Heart Attack von 2016) und stand im Mittelpunkt der Dokumentation „Ride The Blues“, die Johnsons oft steinigen Karriereweg in der Musikszene zeigt. „Lasst mich einfach nur sagen, dass ich meine Erfahrungen mit Drogen und Alkohol gemacht habe“, erzählt er, „und ich brauchte lange, um dieses Problem in den Griff zu bekommen.“

Auf seinem neuen Album Straitjacket offenbart Johnson nun förmlich seine Seele. Die Produktion übernahm St. Louis‘ Lieblingssohn Mike Zito in dessen texanischen Mars Studios. Die erstklassige Besetzung mit Frank Bauer am Saxophon und Vocals, Benet Schaeffer am Schlagzeug und Tom Maloney am Bass verlangte danach, dass die Songs direkt aufgenommen werden mussten. „Wir wollten ein Live-Gefühl erzeugen“, erklärt Johnson. „Es gibt sicher viele Stellen, an denen ich ein besseres Solo spielen oder an denen ich mich mehr auf die Texte konzentrieren könnte. Doch letztendlich war es so gerade perfekt. Echt, menschlich, lebendig, unvollkommen vollkommen.“

Unbearbeitet und ohne Umschweife präsentiert, beschreiben diese Songs Johnsons Geschichte, Gedanken und Platz in der Welt. Johnson kann ausgelassen sein wie etwa bei dem schnellen, funkig-bluesigen Titelsong, in dem er sich über eine kontrollsüchtige Freundin beklagt, oder bei dem groovigen „Dirty Mind“, in dem es um die nächtlichen Anrufe einer Geliebten geht, die „ein bisschen Gesellschaft“ sucht. An anderer Stelle gibt es aber auch persönliche Momente wie bei „Keep On Sailing“ oder sozialkritische Kommentare wie bei „Believe In America“ und „Old School“. „Bei ‚Keep On Sailing‘ geht es um die Erkenntnis, dass die Leute, die man um sich hat, nur wegen der Drogen und des Alkohols da sind“, erklärt er. „‚Believe In America‘ beschreibt die Geldprobleme der Menschen und eine Regierung, die uns kleinen Leute einfach zurücklässt – aber ich sehe auch Menschen, die immer noch Vertrauen in unser Land haben. ‚Old School‘ ist wahrscheinlich der wichtigste Song auf diesem Album. In meiner Kindheit haben wir uns auch geprügelt. Wir haben unsere Lektion daraus gelernt und sind dann auseinander gegangen“. Heute zieht einer einfach seine Waffe...“

Es mag zwar auch Gewitterwolken auf Straitjacket geben, doch das Album endet mit einem Sonnenstrahl, wenn die Band bei Alvin Lees „Rock & Roll Music To The World“ es hörbar genießt, zusammen zu spielen und die Energie fast greifbar wird. („Wir haben einfach aufgedreht und losgelegt“). Johnson hofft, dass es euch genauso geht: „Ich möchte, dass sich die Leute diese Platte vom Anfang bis zum Ende anhören, bei einer Party richtig aufdrehen und mal so richtig abschalten können, wenn sie mit dem Auto oder der Harley-Davidson durch die Nacht fahren. Ich will, dass die Menschen sich komplett darauf einlassen und dabei ihren Gefühlen freien Lauf lassen.“

Biografie Victor Wainwright

Es musste ein Zug sein. Der Name von Victor Wainwrights neuer Band und das Coverbild ihres Debutalbums ist die wahrscheinlich passendste Metapher überhaupt. In der Musikgeschichte erweckt ein Zug Assoziationen zu den ganz frühen Bluesmusikern, die mit Güterzügen durch das Land zogen. Doch das neueste Projekt von diesem ruhelosen Boogie-Woogie-Rocker, der immer wieder eine Schippe nachlegt, ähnelt eher einer Lokomotive, die immer weiter voranprescht, Genregrenzen überwindet, neuen Sound aufwirbelt und ratternd an ihren Skeptikern vorüberrollt. Wie der Bandleader in dem vom Pianosound getragenen Titelsong selbst singt: „If you wanna boogie get aboard this train/Get yourself a ticket or get out of the way... “.

An einem Höhenpunkt seiner Karriere, an dem sich die meisten anderen Künstler erst einmal auf ihren Lorbeeren ausruhen, rollen Victor Wainwright & The Train stattdessen alles noch einmal neu auf. Diese zwölf Songs, die alle aus der Feder von Wainwright stammen, dehnen frech das Konzept der Rootsmusik aus und lassen jeden aufhorchen, der nur noch die Produktionen der sterilen Musikindustrie gewöhnt ist. „Ich wollte die neuen Songs hauptsächlich selbst schreiben“, erklärt er, „so wie es mir in den Sinn kommt. Ich glaube, dass wir ein neues Publikum erreichen müssen, wenn wir wollen, dass Rootsmusik sich weiterentwickelt.“

Das Ergebnis ist ein Album, das einen Balanceakt zwischen der Achtung der Tradition und anarchischer Respektlosigkeit vollführt. Ihr werdet Wainwright hören, wie er Boogie-Woogie-Tradition mit Kneipenhits mischt wie etwa bei „Healing“ und „Boogie Depression“, die beide von seinem gefühlvollen Pianospiel bestimmt werden. Doch ihr werdet auch hören, wie er furchtlos die ganze Bandbreite des Genres erkundet – von lateinamerikanischen Einflüssen und New Orleans’ Bläsern bei „Wiltshire Grave“ bis hin zum sanften, beinahe psychedelischen „Sunshine“.  

Es ist ein musikalischer Cocktail, der da von Wainwrights unnachahmlicher Stimme serviert wird. Seine Texte können urkomisch sein wie bei „I’ll Start Tomorrow“, bei dem er die Empfehlung seines Arztes, gesünder zu leben, auf später verschiebt. Aber es geht auch tiefgründiger wie es der Gospel-gefärbte Laufpass von „That’s Love To Me“ beweist. „Ich habe versucht Songs zu schreiben, die uns daran erinnern, uns selbst zu lieben“, erklärt er. „Es ist nicht wichtig, wen du gewählt hast, welcher Religion du angehörst oder wen du liebst...“.

Bei dieser hochspannenden Fahrt schafft es nur The Train die Songs auf der Strecke zu halten. „Ich habe eine Killerband von geradezu fantastischen Musikern zusammenbekommen“, erinnert sich Wainwright. „Sie teilen meine Neugierde für sämtliche Bereiche der Rootsmusik. Wir wollten das Gefühl irgendwie einfangen, das wir haben, wenn wir zusammen spielen und ich glaube, das haben wir geschafft. Und so versuche ich es jetzt weiterzumachen.“

In Wahrheit ist Wainwright schon immer ein Künstler gewesen, der das Tempo vorgibt. In einer musikalischen Familie in Savannah, Georgia, aufgewachsen haben ihn vor allem der Gesang seines Vaters und die Boogie-Woogie-Musik, die sein Großvater auf dem Klavier spielte, beeinflusst und in ein Leben für die Musik getrieben. Nachdem er bei Southern Hospitality und seiner Zusammenarbeit mit Stephen Dees bei WildRoots die Bühnen und Lautsprecher bereits seit über einem Jahrzehnt zum Beben gebracht hat, stellte er im Jahr 2005 sein Talent endlich auch mit der Veröffentlichung seines ersten Soloalbums unter Beweis. „Auf seine Karriere zurückzublicken ist wirklich nicht leicht“, sagt Wainwright. „Es gibt viele Herausforderungen. Doch wenn du es hinbekommst, dann kann es dich auch extrem bereichern.“

Als Mann vieler Talente ist Wainwright Komponist, Produzent, Sänger, Pianist und preisgekrönter Entertainer. Als langjähriger Anführer der Boogie-Woogie-Riege kann er Gewinne bei den Blues Music Awards und den Blues Blast Awards ebenso vorweisen wie ein Repertoire, das es immer wieder in die Billboard Top 10 schaffte. Doch statt in Erinnerungen zu schwelgen möchte Wainwright euch lieber mit auf die nächste Reise nehmen.   „Natürlich gibt es auf diesem Album auch noch Songs, die einfach nur richtig abgehen sollen wie zum Beispiel „The Train““, erzählt er lachend. „Aber wenn ihr euch die Texte anhört, versteht ihr, dass ich eigentlich nur sagen will, dass ihr mit in den Zug einsteigen solltet...“

Biografie Ghalia

Einige Alben nehmen dich sofort gefangen. Wie die gedämpften Klänge, die du im Vorbeigehen an einem von New Orleans’ Juke-Joints hörst, kommt auch Let The Demons Out einem Rock ’n’ Roll-Lockruf gleich, der dich hellhörig macht und dich in seinen Bann zieht. Bei Europas aufstrebendster junger Sängerin und Louisianas heißester R&B-Band ist Widerstand einfach zwecklos.

Wenn du Ghalia Vauthier noch nicht kennst, mach dich bereit für eine Künstlerin, die an der Schwelle zu etwas ganz Großem steht. Ghalias Aufstieg begann 2013 mit Auftritten als Straßenkünstlerin in ihrer Heimatstadt Brüssel und als Musikerin in gleich zwei Bands, The Naphtalines und Voodoo Casino. „Ich glaube, dass die Arbeit als Straßenmusikerin die beste Ausbildung war, die ich bekommen konnte“, erzählt Ghalia. „Du hast nur eine Sekunde, um die Menschen zu überzeugen. Es ist jedes Mal eine Herausforderung – und ich liebe Herausforderungen!“

Ghalia selbst suchte sich bald die größtmögliche Herausforderung von allen: Amerika. Ihre Leidenschaft für feurigen R&B brachte sie in die USA und so zog die Sängerin durch sämtliche Musikhochburgen des Landes – von Chicago und Memphis bis nach Nashville und Mississippi – wo sie die Hallen zum Beben brachte und überall neue Fans gewann. „Das erste Mal in den USA war für mich wie eine musikalische Pilgerfahrt, bei der ich die Orte entdeckte, um die es in all meinen Lieblingssongs geht. Beim zweiten Mal gingen meine Wünsche in Erfüllung. Ich sang dort, wo meine Helden bereits gesungen haben. Ich wanderte durch Gegenden, durch die sie gelaufen sind, und kaufte vielleicht in ihrem Lieblingsspirituosengeschäft ein. Ich fuhr die gleichen Highways entlang und sah mir die Sonnenuntergänge über den gleichen Baumwollfeldern an wie sie. Eines Tages trat ich dann nicht mehr nur mit den lokalen Künstlern auf, sondern bekam meine eigenen Shows.“

Jeder neue Staat war wie ein neues Abenteuer, doch der wahrscheinlich ausschlaggebende war Louisiana, wo der Grundstein für Let The Demons Out gelegt wurde, als Ghalia auf die Lokalmatadoren Johnny Mastro & Mama’s Boys traf. Die Chemie stimmte sofort und sie zog mit ihnen in New Orleans’ Music Shed Studio. „Das Ziel war es, ihre Energie und Erfahrung mit meinen Songs und meiner Stimme zu verbinden“, erklärt sie. „Wir sind eine Symbiose eingegangen und so konnte die Chemie zwischen uns richtig explodieren.“

Mit ihrer Spontanität und dem Vertrauen auf ihr Talent im Gepäck, taten sie es den Legenden der Bluesszene gleich und schnitten die Tracks live. „Wir glauben, dass diese „natürlichen“ Aufnahmen, unsere Musik spontaner und echter machen“, überlegt Ghalia. „Außerdem macht es mehr Spaß und fordert dich mehr.“

Let The Demons Out könnte nicht authentischer sein. Mama’s Boys sind wie der Motor, der diese zwölf Tracks antreibt, und die Funken fliegen nur so zwischen Mastros energiegeladener Mundharmonika, Smokehouse Browns brennender Gitarre, Dean Zuccheros groovendem Bass und den rhythmischen Beats von Rob Lee. Angeführt wird das Ganze jedoch von Ghalias überwältigender Stimme, die sowohl honigsüß sein als auch einem Kriegsgebrüll anmuten kann. „Meine Texte stammen aus Geschehnissen, die mir selbst widerfahren sind, und den emotionalen Reaktionen darauf“, erklärt sie. „Früher sagte man, bei Blues ginge es nicht nur um Wehklagen, sondern auch um Ermutigung. So sehe ich das auch.

Ein anderes Thema, über das ich auch schreibe, ist Freiheit – meine, deine, unsere. Natürlich geht es auch manchmal um Männer. Um Liebe oder um Sex oder um keines von beiden.“

Die Songs machen deutlich, dass Ghalia eine Songwriterin mit unglaublichem Potential ist: So gibt es den furiosen Eröffnungstrack „4am Fried Chicken“, das mitreißende „All The Good Things“ mit seinen fetten Beats und prägnanten Texten („All the good things, babe, they’re bad for you“), das prahlerische „Have You Seen My Woman“ und das unaufhaltsame „Hoodoo Evil Man“. „Press That Trigger“ sprüht durch ein rasantes Gitarrensolo, während die heisere Maultrommel und das donnernde Schlagzeug des Titelsongs an die Stones in ihren besten Zeiten erinnern. Dass die Band überaus facettenreich ist und auch einen anderen Gang einlegen kann, beweisen Tracks wie das beinahe beschwörende „Addiction“ oder „Hey Little Baby“, bei dem Ghalia dir eine hypnotische Melodie einhaucht. Doch das Album endet wieder mit einem Knall: Bei „Hiccup Boogie“ schwingt ein Hauch von Canned Heat mit und der Text lässt den Hörer in seiner Geschichte versunken zurück.

Wenn du neue Hintergrundmusik suchst, schau dich lieber anderswo um. Let The Demons Out fordert deine ungeteilte Aufmerksamkeit und bringt dem Blues neue Bedeutung. „Wir versuchen nicht traditionellen Blues zu kopieren“, sagt Ghalia. „Wir wollen vielmehr versuchen, das Songwriting und Spielen soweit voranzutreiben, dass wir etwas Neues und Frisches kreieren, während der Bluesvibe erhalten bleibt. Im Prinzip versuchen wir eine Balance aus Tradition und Fortschritt zu finden. Darum geht es bei guter Kunst sowieso...“

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