Biografie Andy Frasco & the U.N.

Das hier ist keine Show. Es ist eine Straßenparty. Am Tag 142 ihrer Konzertreise im Jahr 2016 rüttelt Andy Frasco & The U.N. die deutsche Kleinstadt Bamberg aus dem Tiefschlaf wach. Begeisterte Fans erstürmen die Bühne. Tubas werden in Brand gesetzt. Und im Auge des Sturms steht der Frontmann höchst persönlich: Ein wildhaariger, wirbelnder Derwisch, der beim Konzertöffner „C Boogie“ furios auf die Tasten seines Pianos einhämmert, bevor er mit dem Publikum auf Tuchfühlung geht. „Wir nehmen bei euch ein Live-Album auf!“, kündigt Frasco der Menge an. „Es wird unglaublich sein…“

Das neue CD/DVD-Set Songs From The Road von Ruf Records schafft es tatsächlich, das ganze Vollgas-Chaos einer Andy Frasco & The U.N.-Show einzufangen. Manche Bands rotzen ihre Setlist lustlos herunter. Nicht so diese rebellische Truppe aus den Vereinigten Staaten. Mit unbändiger Energie geben sie die Songs ihrer bisherigen vier Studioalben zum Besten – darunter auch der Durchbruchscheibe Happy Bastards von 2016 – und sorgen bei den Fans für Euphorie. „Das Publikum soll bei unseren Konzerten aus dem Häuschen geraten“, erklärt Frasco seine Zielsetzung. „Ich möchte den Menschen Auftrieb geben, sie glücklich machen – und sie dabei auch ein wenig zum Nachdenken anregen.“ Eine derartige Klasse als Live-Band kommt natürlich nicht über Nacht. Die Geschichte von Andy Frasco nimmt kurz nach der Jahrtausendwende in einem Vorort von Los Angeles seinen Anfang: Im zarten Alter von 13 Jahren nutzt er seinen großen Charme, um einen Job in der Plattenindustrie zu ergattern. Ein paar Jahre später tourt er schon mit einer von ihm unter Vertrag genommenen Band durch die USA. „Ich bin zu schnell aufgewachsen“, blickt er zurück. „Ich habe es geliebt, unterwegs zu sein und habe immer nach vorne geschaut. Versagen ist für mich niemals in Frage gekommen.“ In dieser Anfangszeit als PR-Mann lebt Frasco eher von seinem Charisma und gibt heute gern zu, dass er damals „eine Nummer abgezogen habe“, bis er gelernt hat zu singen und Piano zu spielen. Im Jahr 2007 stellte er seine Band die U.N. aus international erfahrenen Musikern auf die Beine, die seitdem eigentlich nie mehr aufgehört hat zu touren. „Wir sind eine Gruppe von Vagabunden“, sagt er. „Seit zehn Jahren leben wir quasi auf vier Rädern und haben im Schnitt etwa 250 Shows im Jahr gespielt. Wir sehen uns im Grunde als Arbeiter und gehen auf Tour, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen.“ Zwar werden sie manchmal gezwungen, auf Gitarrenkoffern, Gitarrenverstärkern oder irgendwo auf dem Boden zu schlafen – doch sie sind glücklich, weil sie dabei ihren Traumberuf ausüben. „Als sie noch eher unbekannt waren“, fährt Frasco fort, „haben Künstler wie Van Morrison oder The Band in jedem Café und in jeder Spelunke gespielt und die schlechten Rahmenbedingungen im Kauf genommen. So etwas lässt sich gut verkraften, wenn man den größeren Zweck im Auge behält. Bei uns heißt das: Die Menschen glücklich machen, wann immer wir können.“ Vor allem seit der Veröffentlichung von Happy Bastards im Jahr 2016 steht die buntbesetzte Combo aus Kalifornien hoch im Kurs. Das Songmaterial des Albums, das geschickt Elemente aus Funk, Soul, Rock, Roots und ihren ganz eigenen „Party Blues“ vermengt, ließ ahnen, dass hier eine Live-Band der Spitzenklasse am Werk war. Tatsächlich klangen Titel wie der funkige „Tie You Up“ und die Mitsing-Nummer „Mature As Fuck“ nie besser als beim mitgeschnittenen Auftritt in Bamberg. „Beim letzteren Stück geht es darum, dein Ding durchzuziehen und sich nicht darum zu kümmern, was andere Leute von dir denken“, erklärt Frasco, „weil man ja letztendlich schon erwachsen ist.“ Außerdem gibt es weitere Highlights aus dem bandeigenen Songkatalog wie „Sunny Day Soldier“ und „Stop Fucking Around“ vom gefeierten 2014er Studiowerk Half A Man. „Ich verzichte auf eine Setlist und gucke lieber, wie das Publikum drauf ist“, sagt der Frontman. „Dabei schneide ich mir eine Scheibe von Sängern wie Frank Sinatra oder James Brown ab, die stets wussten, wie man eine Bühne beherrscht.“ Was Frasco sicher auch tut. Als es Abend wird in Bamberg, steigt bei ihm der Energiespiegel sogar noch höher. Er klettert auf die Monitorboxen, lädt Kinder zum Tanz auf der Bühne und schickt die Menge per Kommando von einer Seite des Marktplatzes zur Anderen. („Links! Rechts!“). Und als es scheint, dass die Anarchie perfekt ist, kommt eine explosive Version des Klassikers „Killing In The Name“ von Rage Against The Machine, wobei Frasco seine Zuhörer ermutigt, als Geste des Ungehorsams den Stinkefinger zu zeigen. „Sei, wer immer du sein möchtest“, gibt er ihnen mit auf den Weg, bevor er sich mit „Now let’s get the fuck out of here“ den verdienten Feierabend einläutet. Wer Andy Frasco & The U.N. noch nie auf der Bühne erlebt hat, verpasst eine der großen Live-Bands unserer Zeit. Mit Songs From The Road bekommt man nun einen Platz in der ersten Reihe. „Ich möchte aus jeder Show ein Fest machen“, sagt Frasco zum Schluss. „Die Menschen sollen für ein paar Stunden jegliche Sorgen vergessen und völlig im Moment leben. Ich glaube, Songs From The Road fängt das Wesen unserer Band besser ein als jede Aufnahme, die wir bisher gemacht haben.“

Biografie Tasha Taylor

Tasha Taylor hatte schon immer eine Leidenschaft für Soul und Blues. Das merkt man auch auf ihrem neuen überwältigenden dritten Album Honey For The Biscuit. „Ich bin die Brücke zur nächsten Generation von Rhythm, Blues und Soul“, sagt Tasha. „Es ist sozusagen unser Familienunternehmen – und meine Passion.“
Als die Tochter von R&B-Pionier und Stax-Ikone Johnnie Taylor war Tashas Weg von Beginn an verheißungsvoll. Während manch anderer diesen Namen ausnutzen würde, macht Honey For The Biscuit deutlich, dass Tasha einen eigenen Stil hat.  „Ich begann bereits vor drei Jahren an dieser Platte zu schreiben“, erinnert sich die Sängerin und Produzentin. „Die meisten der Songs schrieb ich mit der Gitarre. Auf diesem Album geht es viel um Herzschmerz, Fehltritte und offene Fragen. Es geht darum etwas Bestimmtes durch jemanden zu finden.“
In Los Angeles aufgenommen bekam Tasha für ihr neues Album kräftige Unterstützung: Nathan Watts am Bass, John Notto und Jon Taylor an der Gitarre, Don Wyatt am Piano, Munjungo Jackson  an den Percussions, Gerry Brown, Ronald Bruner und Stanley Randolph am Schlagzeug sowie Jamelle Williams, Matthew DeMeritt und Lemar Buillary als Bläser. Tasha selbst ist außerdem an der Gitarre und den Percussions zu hören. Honey For The Biscuit ist ein mitreißendes Album, das Soul, Funk und Blues verkörpert. „Ein paar Soulelemente gibt es bei mir immer“, erzählt Tasha. „Diese Platte hat auch einen Hauch Nashville, was auch für mich eine neue Erfahrung war. Drei Songs habe ich zusammen mit Tom Hambridge und Richard Flemming geschrieben (Leave That Dog Alone, How Long und Weatherman). Insgesamt gesehen ist diese Platte dem Blues sehr nahe, sowohl inhaltlich als auch musikalisch. Sie wird die Menschen auch zum Tanzen bringen, also seid bereit dafür!“
Honey For The Biscuit hat nicht nur besondere Songs sondern auch besondere Gäste. Es gibt den leichtfüßigen Gitarrenlick von „Family Tree“ (mit Special Guest Keb‘ Mo‘), den Doo Wop-Refrain von „Little Miss Suzie“ (mit Robert Randolph an der Lap Steel), die energetische, funkige Ode an einen betrügerischen Mann bei „Leave That Dog Alone“ (mit Samantha Fish) und den Song „Same Old Thing“ mit keinem geringeren als Tommy Castro am Mikrophon. „Ich kann mich sehr glücklich schätzen, dass so großartige Künstler an meiner Platte mitgewirkt haben“, erzählt Tasha lächelnd. „Das ist wie Honey für mein Album…“      
Selbst in dieser Königsklasse des Blues ist es doch Tashas ergreifender Gesang, der von emotionaler Tiefe zeugt und die Platte zu dem macht, was sie ist. In den Texten geht es unterdessen um ihre Erfahrungen aus einer Zeit des Umbruchs. „Es war schön zurückzublicken auf etwas, das eine wesentliche Momentaufnahme meines Lebens ist. Dabei realisiert man erst, was man alles aus seinen Erfahrungen lernen kann. Es geht oft um die Suche nach etwas, um Liebe, Begierde und das Leben selbst. Wenn ich dieses Album höre, merke ich, dass ich schon eine Menge durchgemacht habe, und ich bin froh, diese Erfahrungen gemacht zu haben.“
Es braucht schon mehr als ein gebrochenes Herz, um sie von ihrem Weg abzubringen. Schaut man sich ihre Vergangenheit an, ist klar, dass Tasha nicht einfach nur das Talent ihres Vaters geerbt hat, sondern auch seine unermüdliche Arbeitsmoral. Obwohl sie zwar im texanischen Dallas aufgewachsen ist, war ihr Zuhause quasi der Tourbus. „Meine Kindheit ist kaum mit der anderer zu vergleichen“, erinnert sie sich. „Ich bin sozusagen auf Tour aufgewachsen. Es ist zwar kein Job, den die Väter anderer Kinder hatten, aber ich habe so viel dabei gelernt, wenn ich ihm vom Bühnenrand aus zusah.“     
Für eine Weile sah es aus, als würde Tasha einen anderen Weg einschlagen. Sie zog nach Norden, um an der Boston University Schauspiel zu studieren, bevor sie Nebenrollen in TV-Serien wie Ugly Betty und Dr. House übernahm. Doch die Musik in ihrer DNS ließ sich nicht abweisen, und so komponierte Tasha nebenher Soundtracks für Shows wie Men In Trees und Lipstick Jungle, bevor sie 2008 schließlich ihr Solodebut Revival veröffentlichte.
Drei Jahre später folgte Taylormade: ein brillantes Album aus selbstgeschriebenen Songs, das ihrem verstorbenen Vater mit dem Cover von „Who’s Makin‘ Love“ Respekt zollt. „Er war eine Inspiration“, erzählt sie. „Ich erinnere mich daran, wie es war mit ihm auf Tour zu sein. Wenn ich mich einmal ausgelaugt oder krank fühlte, sagte er: ‚Du musst nicht singen, wenn du dich nicht gut fühlst - oder aber du entscheidest dich, ein richtiger Showhase zu sein.‘ Ich denke, ich werde mich immer für den Showhasen entscheiden.“
Dem Rat und Vorbild ihres Vaters folgend machte sich Tasha einen internationalen Ruf für ihre energiereichen Shows, die das Publikum seine Sorgen vergessen lässt. „Es ist mit sehr viel Energie und Gefühlen verbunden“, erklärt sie. „Auf der Bühne fühle ich die Seele der Musik und gebe deshalb alles in meinen Shows. Ich liebe es zu sehen, wie sich das Publikum mit meiner Musik identifiziert.“
2016 wird Tasha mit dem Blues Caravan durch Europa und die USA touren, im Gepäck ihr Honey For The Biscuit: ihr drittes Album, das all ihr Potenzial offenbart und helfen wird, ihr liebstes Genre und ihren berühmten Nachnamen in einer neue Ära zu tragen. „Wenn nur eine Person dadurch einen neuen Lieblingssong hat“, überlegt sie, „dann bin ich glücklich!“ 

Biografie Layla Zoe

Gib Layla Zoe eine Bühne und sie zeigt dir ihre Magie. In der Welt von Choreographie und Autotune ist sie noch eine Performerin vom alten Schlag: aufwühlend, mit ihrer rauchigen Whisky-Stimme gibt sie alles auf der Bühne und schickt ihre atemlosen Fans in die Nacht, um genau dies zu verbreiten. „Für mich“, sagt Layla, „gibt es nichts Befriedigenderes als mit meiner Band auf der Bühne zu stehen, durch die Musik schenke ich mein en Fans mein Herz. Ich schreibe gerne Lieder, ich genieße es im Studio zu sein, aber die Live-Shows sind der Grund, warum ich meinen Job so liebe. Ich bin so aufgeregt, meinen Fans endlich eine Live-DVD anbieten zu können, vor allem weil sie so lange danach gefragt haben.“ Es ist wahr: Nach zwölf Jahren und zehn international gefeierten Alben war eine Live-DVD das Einzige was Layla in ihrer triumphalen frühen Karriere noch gefehlt hatte. Es gab den Durchbruch zur Jahrtausendwende in den örtlichen Bezirken von Kanada („Sie hat wahrscheinlich das größte Buzz - Stimme , die ich bisher in Toronto gehört habe“, bemerkte die späte Blues - Größe und Freund Jeff Healey). Es gab das Debütalbum von 2005. Die Zusammenarbeit mit Größen von Henrik Freischlader bis Sonny Landreth. Der globale Durchbruch von 2013 The Lily (als „aufregend“ von The Blues bezeichnet ) und von 2016 Breaking Free (gefeiert für seine „Leidenschaft und Integrität“). Als Layla den Planeten eroberte - sowohl auf ihren eigenen Touren als auch bei Ruf's Blues Caravan - verlangte ihre wachsende Fangemeinde eine ausführliche audiovisuelle Veröffentlichung, um diese wilden Nächte erneut zu erleben. Jetzt im Jahr 2017 mit dem Songs From The Road CD / DVD-Set hat das Warten ein Ende. Bei ihrem Eröffnungssong Backstage Queen„Oh little girl, where are you going to?“ – hat die Kanadierin den Zuhörer in der Hand, egal ob man das Glück hatte, am 21. März 2017 im Hirsch Club in Nürnberg, Deutschland in der ersten Reihe zu stehen oder sie einen auch Zuhause aus seiner Komfortzone holt. „. Das Publikum war bei den Aufnahmen dieser Nacht mit vertrauten Gesichtern gefüllt „, erinnert sich Layla, „und die Energie war perfekt.“ Layla's einmalige Generationen Stimme und die vor Temperament sprühende Bühnenkunst sind der Hauptschwerpunkt, trotzdem kann sie in dem Raum, den der grandiose Jan Laacks (Gitarre, Talkbox und Backing Vocals), der Rock-steady Christoph Hübner (Bass und Backing Vocals) und die (voran-)treibende Kraft von Claus Schulte (Schlagzeug und Backing Vocals)bieten, bestehen. „Es war eine besondere Show“, sagt sie, „denn ich bin jetzt wirklich glücklich mit meiner Band. Sie sind alle fantastische Musiker und liebe Menschen, mit denen man „on and off stage“ arbeiten kann.“ Natürlich ist die andere wesentliche Zutat die Setlist. Als Teenager hörte Layla die Schätze der Vinylsammlung ihres Vaters und die Songs From The Road Tracklist beinhaltet alles von Blues und Gospel bis hin zu frühlingshaftem Soul. Langzeit-Fans werden sich freuen über Pull Yourself Together– vom 2011 veröffentlichten Sleep Little Girl - und begegnen The Lily mit Why You So Afraid und Never Met A Man Like You. Layla erinnert die Menge an einen Punkt: "Alles ist heute Abend möglich." Und doch, für diese Performerin geht es mehr ums das Hier und Jetzt, als um den vergangenen Ruhm. Als solches finden wir viele Songs von Layla's jüngsten Veröffentlichung Breaking Free, einschließlich der wehmütigen A Good Man, dem farbenfrohen Sweet Angel, der glitzernden Hendrix Ballade von Why Do We Hurt The Ones We Love, Run Away´s Powerhouse Groove - und der furchtlose gesellschaftspolitische Kommentar, der den Highway of Tears antreibt. „Das ist ein Lied das ich für die Kanadischen Ureinwohnerinnen geschrieben habe, die verschollen sind oder ermordet wurden“, erklärt sie. „Es ist eine schwierige Sache, darüber zu sprechen. Stattdessen werde ich darüber singen.“ Mehr als nur ein Live-Album: Songs From The Road ist ein viszeraler Schnappschuss, der ein Weltklasse-Talent auf dem Höhepunkt ihrer Kräfte festhält. Sie durchläuft eine emotionale Bandbreite und nimmt dich mit auf eine Reise. „Meine Show ist roh, ehrlich, emotional und intensiv“, sagt Layla. "Die Leute sagen oft, dass sie bei meinen Shows zu Tränen gerührt sind und ich finde es wichtig, dass ich alles für mein Publikum gebe. Ich reiße den Leuten das Herz raus - und dann setzte ich es wieder ein ...“

Biografie Ina Forsman

Ina Forsman ist die, auf die ihr gewartet habt. Vielleicht habt ihr sie schon einmal auf Europas Bluesbühnen gesehen, wenn sie die Menge mit ihrer einprägsamen, faszinierenden Stimme betörte. Möglicherweise war sie sogar eure Favoritin, als sie 2014 Finnland bei der European Blues Challenge vertrat, oder ihr habt sie bei einem ihrer Gastauftritte mit Guy Verlinde oder Helge Tallqvist erlebt. Spätestens jetzt, da sie ihr gleichnamiges Debutalbum bei Ruf Records veröffentlicht und mit dem Blues Caravan 2016 durch die Welt touren wird, ist es Zeit sie einmal ausführlich vorzustellen.
Ina Forsman ist all das, was großartige Musik früher einmal auszeichnete: echt, authentisch und mit Texten und Melodien, die vom Herzen kommen. Auch Ina Forsman selbst ist genau so, wie eine herausragende Frontfrau sein muss: geheimnisvoll, ehrlich, leidenschaftlich und gefährlich. Wenn ihr die zehn selbstgeschriebenen Songs und das umwerfende Cover von Nina Simone „I Want A Little Sugar In My Bowl“ gehört habt, werdet ihr das Gefühl haben, sie in- und auswendig zu kennen und zugleich noch mehr wissen zu wollen.
Als erstes fällt ihre Stimme auf. Sie ist ohne Zweifel eine der Hauptwaffen aus Inas Arsenal und zugleich das Sahnehäubchen bei den Big Band- und Soul-Blues-Pianoklängen ihrer Herzschmerzsongs. Im finnischen Helsinki aufgewachsen hoffte sie immer, dass ihr ihre Stimme neue Türen öffnen würde. „Ich war sechs Jahre alt, als ich das erste Mal sagte, dass ich Sängerin werden will. Als ich sieben war, gab mir meine Tante mein erstes Album von Christina Aguilera. Für mich ist ein großartiger Sänger jemand, der eine kraftvolle Stimme und keine Angst davor hat sie auch zu nutzen - in all ihren Färbungen und Schattierungen.“
Doch Inas Debutalbum ist weitaus mehr als ihre gottgegebene Stimme. Diese elf Songs sprechen von einer Künstlerin, die den Blues lebt und atmet, die seit sie 17 ist, auf der Bühne steht und die von der finnischen Harmonica-Legende Helge Tallqvist lernen durfte. „Durch Helge bin ich erst zum Blues gekommen“, erinnert sie sich. „Er nahm mich mit ins Studio und stellte unsere Band vor ein paar Jahren zusammen. Es gibt nicht genug Worte, um zu beschreiben, wie viel ich von ihm gelernt habe. Über Musik, aber auch über das Organisieren von Gigs, den langweiligen Papierkram und über das Leben überhaupt.“
Die vielleicht wichtigste Lektion, die Ina von ihrem Mentor erhielt, ist, dass Musik Ausdruck der eigenen Persönlichkeit ist. Während ihre frühen Setlists auf Coversongs beruhten, schrieb sie nun für ihr Debutalbum all die Texte selbst und arbeitete an der Musik meist gemeinsam mit Tomi Leino. „Für mich ist es sehr wichtig, dass meine Musik auch nach mir klingt“, betont Ina. „Es gibt keinen anderen Weg für mich, als die Songs selbst zu schreiben. Nur ich kann meine Geschichten erzählen.
„In allen Songs geht es um die Liebe und ihre Höhen und Tiefen“, erklärt sie. „Sie haben alle einen Hintergrund und sind daher etwas sehr Persönliches, auch wenn manche etwas ernster und tiefsinniger wirken als andere. Zum Beispiel ist der Song „Pretty Messed Up“ der letzte Liebesbrief an meinen Exfreund und in „Bubbly Kisses“ geht es um Sex im Rausch.“
Was die musikalische Richtung anging, gab es keine Grenzen. „Als ich anfing nach Inspiration für dieses Album zu suchen, sah ich mich überall nach neuer Musik um. Ich ging in Plattenläden, suchte bei YouTube und Spotify, einfach überall, wo ich etwas finden konnte, was ich noch nie zuvor gehört hatte. Vor allem hörte ich mir alte Soul- und Bluesplatten an – Künstler wir Donny Hathaway, Aretha Franklin und Sam Cooke – und so wurde diese Platte zu einem Soul-Bluesalbum. Es kam ganz einfach so, ohne dass ich es so geplant hatte oder versuchte einen bestimmten Stil zu treffen.“
Die Aufnahmen für das Album fanden in den Wire Recording Studios im texanischen Austin statt. Ihr Team bestand aus Laura Chavez und Derek O’Brien (Gitarre), Nick Connolly (Keys/Organ), Russell Jackson (Bass) und Tommy Taylor am Schlagzeug. Zusätzliche Unterstützung gab es von Blues Harp-Spieler Helge Tallqvist, den Bläsern von The Texas Horns und natürlich von Produzent und Saxophonspieler Mark „Kaz“ Kazanoff. „Ich war die ganze Zeit über so glücklich“, erinnert sich Ina. „Die Woche, die ich in Austin verbracht habe, wird für lange Zeit eine meiner liebsten Erinnerungen sein. Ich durfte mit großartigen, talentierten Menschen arbeiten, in einer Stadt, die für mich am anderen Ende der Welt ist. Noch vor kurzem wagte ich nicht einmal, von so etwas zu träumen. Wir haben so hart gearbeitet und mit jedem Tag fühlte ich mich müder – aber ich konnte es auch jeden Tag weniger erwarten, endlich wieder ins Studio zu kommen.“
Und das hört man. In einer Zeit, in der die meisten Bluesalben vom Gitarrensound dominiert werden, verkörpert Inas Album echten Swing mit dem Soul- und Bluessound einer längst vergangenen Ära. Durch Inas besonderen Stil wirkt es aber zugleich modern und das macht die Platte einzigartig. „All meine Lieblingslieder haben Piano- oder Bläseranteile“, erklärt Ina. „Piano und Saxophon sind meine liebsten Instrumente, also war das von Anfang an klar.“
Mit diesem Album im Gepäck und der Aussicht auf Tourneen in Europa und den USA gilt Ina bereits jetzt als Geheimtipp für 2016. Doch die Sängerin selbst will solche Prophezeiungen lieber ignorieren und den Moment genießen. „Manchmal ist es gut, wenn man sich einfach von der Musik leiten lässt“, überlegt sie. „Mein nächstes Album könnte völlig anders werden – und wird es wahrscheinlich auch. Deshalb ist Songwriting so spannend, denn man weiß nie, woher die nächste Inspiration kommen wird…“

Biografie Heather Crosse

Heutzutage bringen viele aufkommende Künstler gern eine kräftige Rock-Note in ihren Blues ein. Heather Crosse nicht. Die Sängerin, Bassistin und Songwriterin glaubt fest an die zeitlose Kraft von Blues und R&B der alten Schule.
„Die Sprache des Blues und des Souls entspricht der Sprache meiner Seele“, sagt Crosse, die in den letzten zwei Jahrzehnten auf vielen Festivals und in zahlreichen Clubs im Süden der USA reichlich Erfahrungen gesammelt hat. Die aus Louisiana stammende Musikerin ist heute in der Bluesszene in und um die Stadt Clarksdale im Herzen des Mississippi Deltas aktiv. Dort spielte sie u.a. mit Bob Margolin, Guitar Shorty, James „Super Chikan“ Johnson und weiteren Bluesgrößen. Außerdem tritt sie seit Jahren regelmäßig im weltberühmten Ground Zero Blues Club auf. Anfang 2015 tourte Crosse mit der Blues Caravan 2015 „Girls With Guitars“-Tournee erfolgreich durch Europa und war am gleichnamigen, von Jim Gaines produzierten Album beteiligt. Das eher rockorientierte Projekt war aber nicht ganz ihr Ding, räumt sie ein.  
Mit dem Solodebut Groovin‘ At The Crosse Roads gibt sie nun ihr wahres Ich preis. Es geht hier um Blues – mit einem Hauch Soul. „Ich bin mit Motown aufgewachsen und habe von älteren Musikern viel Soulmusik aus den 70ern gelernt. Der Einfluss zeigt sich in meinem Songwriting“, erklärt Crosse, die fünf von elf Titel mit komponiert hat. Das Album mischt eigene Songs mit Klassikern von Blues- und Soulikonen wie Etta James und Big Mama Thornton – genau wie bei ihren Clubauftritten in Mississippi, bei denen die Zuhörer vor allem eines tun sollen: Das Tanzbein schwingen.
Auf dem Cover steht zwar nur ihr Vor- und Nachname, doch Crosse nahm Groovin‘ At The Crosse Roads mit der Band auf, die sie schon seit acht Jahren führt: Heavy Suga' & the SweeTones. Dazu gehören neben ihrem Songwriting-Partner und Lebensgefährten, dem Drummer Lee Williams (B.B. King, Big Jack Johnson) auch Keyboard-Ass Mark Yacovone (Kenny Brown, Maria Muldaur) sowie Gitarrist Dan Smith (Anson Funderburgh, Smokin' Joe Kubek). Nicht zufällig klingt das Ergebnis sehr nach vier Freunden, die sich musikalisch blind verstehen. „Diese Band ist wie eine Familie und besitzt eine einzigartige Dynamik. Wir haben eine sehr enge Beziehung zueinander“, sagt Crosse über die Entscheidung, ihre eigenen Musiker zum Studiotermin mitzunehmen.
Mit der Unterstützung des Grammy-prämierten Produzenten Jim Gaines (Stevie Ray Vaughan, Carlos Santana u.v.a.) ist Crosse und ihren Kollegen ein erstklassiges Einstiegswerk gelungen. An dem einen Ende des Spektrums stehen soulige Nummern wie die Musikerhymne „Hurryin' Up To Relax“ oder eine Coverversion des Top Ten-Hits „Rockin' Chair“, ursprünglich 1975 von Gwen McCrae eingesungen. Crosse hatte zunächst Bedenken, einen derart populären Titel aufzunehmen, vom Endergebnis war sie allerdings verblüfft. „Eine weiße Bassistin wagt sich an einen Soulklassiker aus den 70ern – so etwas hört man nicht jeden Tag!“, lächelt sie.
Am bluesigen Ende des Spektrums bietet Crosse „Walkin' In Their Shoes“ als warmherzige Erinnerung an diejenigen Musiker, die ihr den Blues beigebracht haben, sowie „Clarksdale Shuffle“ als Tribute an ihre Wahlheimat. „Diese Stadt hat in meinem Leben eine Schlüsselrolle gespielt“, sagt sie über ihren jetzigen Wohnort. „Ich war 18 und frisch von der Schule, als ich zum ersten Mal nach Clarksdale kam. Hier habe ich meine Liebe zum Blues entdeckt. In den Jahren darauf bin ich jedes Jahr zum ortsansässigen Sunflower Blues Festival gefahren, egal wie weit ich weg war, und schließlich bin ich nach Clarksdale gezogen.“
Von ihrer Zusammenarbeit mit der Produzentenlegende Gaines ist Crosse hellauf begeistert. „Jim hat es geschafft, meinen Gitarristen von Song zu Song völlig unterschiedlich klingen zu lassen. Ebenso meinen Keyboarder. Die Sounds sind vielfaltig und auch vielschichtig, von der B3-Orgel über Piano im Stil eines Pinetop Perkins oder dieses abgefahrene Ray Charles E-Piano…“ Ebenfalls erreichte sie unter Gaines Leitung gesanglich eine neue Bestleistung. „Er hat Töne aus mir heraus gekitzelt, von denen ich gar nichts wusste“, sagt Crosse über neue Facetten wie etwa ihr Fauchen beim Etta James-Klassiker „Damn Your Eyes“. Er gehört zu den mutigsten Momenten dieses etwas anderen Bluesalbums: Groovin‘ At The Crosse Roads geht im Gegensatz zu vielen aktuellen Produktionen nicht mit dem Vorschlaghammer ran, sondern greift stattdessen zu einem Satz feiner Pinsel, um eine bodenständige Blues- und Soullandschaft zu kreieren. Diese Aufnahme, glaubt Crosse, spiegelt ihre bisherige Reise in der Welt des Blues erfolgreich wieder. „Es ist alles, was ich gehofft hatte und noch viel, viel mehr.“
  

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