Biografie Ina Forsman

Ina Forsman ist die, auf die ihr gewartet habt. Vielleicht habt ihr sie schon einmal auf Europas Bluesbühnen gesehen, wenn sie die Menge mit ihrer einprägsamen, faszinierenden Stimme betörte. Möglicherweise war sie sogar eure Favoritin, als sie 2014 Finnland bei der European Blues Challenge vertrat, oder ihr habt sie bei einem ihrer Gastauftritte mit Guy Verlinde oder Helge Tallqvist erlebt. Spätestens jetzt, da sie ihr gleichnamiges Debutalbum bei Ruf Records veröffentlicht und mit dem Blues Caravan 2016 durch die Welt touren wird, ist es Zeit sie einmal ausführlich vorzustellen.
Ina Forsman ist all das, was großartige Musik früher einmal auszeichnete: echt, authentisch und mit Texten und Melodien, die vom Herzen kommen. Auch Ina Forsman selbst ist genau so, wie eine herausragende Frontfrau sein muss: geheimnisvoll, ehrlich, leidenschaftlich und gefährlich. Wenn ihr die zehn selbstgeschriebenen Songs und das umwerfende Cover von Nina Simone „I Want A Little Sugar In My Bowl“ gehört habt, werdet ihr das Gefühl haben, sie in- und auswendig zu kennen und zugleich noch mehr wissen zu wollen.
Als erstes fällt ihre Stimme auf. Sie ist ohne Zweifel eine der Hauptwaffen aus Inas Arsenal und zugleich das Sahnehäubchen bei den Big Band- und Soul-Blues-Pianoklängen ihrer Herzschmerzsongs. Im finnischen Helsinki aufgewachsen hoffte sie immer, dass ihr ihre Stimme neue Türen öffnen würde. „Ich war sechs Jahre alt, als ich das erste Mal sagte, dass ich Sängerin werden will. Als ich sieben war, gab mir meine Tante mein erstes Album von Christina Aguilera. Für mich ist ein großartiger Sänger jemand, der eine kraftvolle Stimme und keine Angst davor hat sie auch zu nutzen - in all ihren Färbungen und Schattierungen.“
Doch Inas Debutalbum ist weitaus mehr als ihre gottgegebene Stimme. Diese elf Songs sprechen von einer Künstlerin, die den Blues lebt und atmet, die seit sie 17 ist, auf der Bühne steht und die von der finnischen Harmonica-Legende Helge Tallqvist lernen durfte. „Durch Helge bin ich erst zum Blues gekommen“, erinnert sie sich. „Er nahm mich mit ins Studio und stellte unsere Band vor ein paar Jahren zusammen. Es gibt nicht genug Worte, um zu beschreiben, wie viel ich von ihm gelernt habe. Über Musik, aber auch über das Organisieren von Gigs, den langweiligen Papierkram und über das Leben überhaupt.“
Die vielleicht wichtigste Lektion, die Ina von ihrem Mentor erhielt, ist, dass Musik Ausdruck der eigenen Persönlichkeit ist. Während ihre frühen Setlists auf Coversongs beruhten, schrieb sie nun für ihr Debutalbum all die Texte selbst und arbeitete an der Musik meist gemeinsam mit Tomi Leino. „Für mich ist es sehr wichtig, dass meine Musik auch nach mir klingt“, betont Ina. „Es gibt keinen anderen Weg für mich, als die Songs selbst zu schreiben. Nur ich kann meine Geschichten erzählen.
„In allen Songs geht es um die Liebe und ihre Höhen und Tiefen“, erklärt sie. „Sie haben alle einen Hintergrund und sind daher etwas sehr Persönliches, auch wenn manche etwas ernster und tiefsinniger wirken als andere. Zum Beispiel ist der Song „Pretty Messed Up“ der letzte Liebesbrief an meinen Exfreund und in „Bubbly Kisses“ geht es um Sex im Rausch.“
Was die musikalische Richtung anging, gab es keine Grenzen. „Als ich anfing nach Inspiration für dieses Album zu suchen, sah ich mich überall nach neuer Musik um. Ich ging in Plattenläden, suchte bei YouTube und Spotify, einfach überall, wo ich etwas finden konnte, was ich noch nie zuvor gehört hatte. Vor allem hörte ich mir alte Soul- und Bluesplatten an – Künstler wir Donny Hathaway, Aretha Franklin und Sam Cooke – und so wurde diese Platte zu einem Soul-Bluesalbum. Es kam ganz einfach so, ohne dass ich es so geplant hatte oder versuchte einen bestimmten Stil zu treffen.“
Die Aufnahmen für das Album fanden in den Wire Recording Studios im texanischen Austin statt. Ihr Team bestand aus Laura Chavez und Derek O’Brien (Gitarre), Nick Connolly (Keys/Organ), Russell Jackson (Bass) und Tommy Taylor am Schlagzeug. Zusätzliche Unterstützung gab es von Blues Harp-Spieler Helge Tallqvist, den Bläsern von The Texas Horns und natürlich von Produzent und Saxophonspieler Mark „Kaz“ Kazanoff. „Ich war die ganze Zeit über so glücklich“, erinnert sich Ina. „Die Woche, die ich in Austin verbracht habe, wird für lange Zeit eine meiner liebsten Erinnerungen sein. Ich durfte mit großartigen, talentierten Menschen arbeiten, in einer Stadt, die für mich am anderen Ende der Welt ist. Noch vor kurzem wagte ich nicht einmal, von so etwas zu träumen. Wir haben so hart gearbeitet und mit jedem Tag fühlte ich mich müder – aber ich konnte es auch jeden Tag weniger erwarten, endlich wieder ins Studio zu kommen.“
Und das hört man. In einer Zeit, in der die meisten Bluesalben vom Gitarrensound dominiert werden, verkörpert Inas Album echten Swing mit dem Soul- und Bluessound einer längst vergangenen Ära. Durch Inas besonderen Stil wirkt es aber zugleich modern und das macht die Platte einzigartig. „All meine Lieblingslieder haben Piano- oder Bläseranteile“, erklärt Ina. „Piano und Saxophon sind meine liebsten Instrumente, also war das von Anfang an klar.“
Mit diesem Album im Gepäck und der Aussicht auf Tourneen in Europa und den USA gilt Ina bereits jetzt als Geheimtipp für 2016. Doch die Sängerin selbst will solche Prophezeiungen lieber ignorieren und den Moment genießen. „Manchmal ist es gut, wenn man sich einfach von der Musik leiten lässt“, überlegt sie. „Mein nächstes Album könnte völlig anders werden – und wird es wahrscheinlich auch. Deshalb ist Songwriting so spannend, denn man weiß nie, woher die nächste Inspiration kommen wird…“

Biografie Heather Crosse

Heutzutage bringen viele aufkommende Künstler gern eine kräftige Rock-Note in ihren Blues ein. Heather Crosse nicht. Die Sängerin, Bassistin und Songwriterin glaubt fest an die zeitlose Kraft von Blues und R&B der alten Schule.
„Die Sprache des Blues und des Souls entspricht der Sprache meiner Seele“, sagt Crosse, die in den letzten zwei Jahrzehnten auf vielen Festivals und in zahlreichen Clubs im Süden der USA reichlich Erfahrungen gesammelt hat. Die aus Louisiana stammende Musikerin ist heute in der Bluesszene in und um die Stadt Clarksdale im Herzen des Mississippi Deltas aktiv. Dort spielte sie u.a. mit Bob Margolin, Guitar Shorty, James „Super Chikan“ Johnson und weiteren Bluesgrößen. Außerdem tritt sie seit Jahren regelmäßig im weltberühmten Ground Zero Blues Club auf. Anfang 2015 tourte Crosse mit der Blues Caravan 2015 „Girls With Guitars“-Tournee erfolgreich durch Europa und war am gleichnamigen, von Jim Gaines produzierten Album beteiligt. Das eher rockorientierte Projekt war aber nicht ganz ihr Ding, räumt sie ein.  
Mit dem Solodebut Groovin‘ At The Crosse Roads gibt sie nun ihr wahres Ich preis. Es geht hier um Blues – mit einem Hauch Soul. „Ich bin mit Motown aufgewachsen und habe von älteren Musikern viel Soulmusik aus den 70ern gelernt. Der Einfluss zeigt sich in meinem Songwriting“, erklärt Crosse, die fünf von elf Titel mit komponiert hat. Das Album mischt eigene Songs mit Klassikern von Blues- und Soulikonen wie Etta James und Big Mama Thornton – genau wie bei ihren Clubauftritten in Mississippi, bei denen die Zuhörer vor allem eines tun sollen: Das Tanzbein schwingen.
Auf dem Cover steht zwar nur ihr Vor- und Nachname, doch Crosse nahm Groovin‘ At The Crosse Roads mit der Band auf, die sie schon seit acht Jahren führt: Heavy Suga' & the SweeTones. Dazu gehören neben ihrem Songwriting-Partner und Lebensgefährten, dem Drummer Lee Williams (B.B. King, Big Jack Johnson) auch Keyboard-Ass Mark Yacovone (Kenny Brown, Maria Muldaur) sowie Gitarrist Dan Smith (Anson Funderburgh, Smokin' Joe Kubek). Nicht zufällig klingt das Ergebnis sehr nach vier Freunden, die sich musikalisch blind verstehen. „Diese Band ist wie eine Familie und besitzt eine einzigartige Dynamik. Wir haben eine sehr enge Beziehung zueinander“, sagt Crosse über die Entscheidung, ihre eigenen Musiker zum Studiotermin mitzunehmen.
Mit der Unterstützung des Grammy-prämierten Produzenten Jim Gaines (Stevie Ray Vaughan, Carlos Santana u.v.a.) ist Crosse und ihren Kollegen ein erstklassiges Einstiegswerk gelungen. An dem einen Ende des Spektrums stehen soulige Nummern wie die Musikerhymne „Hurryin' Up To Relax“ oder eine Coverversion des Top Ten-Hits „Rockin' Chair“, ursprünglich 1975 von Gwen McCrae eingesungen. Crosse hatte zunächst Bedenken, einen derart populären Titel aufzunehmen, vom Endergebnis war sie allerdings verblüfft. „Eine weiße Bassistin wagt sich an einen Soulklassiker aus den 70ern – so etwas hört man nicht jeden Tag!“, lächelt sie.
Am bluesigen Ende des Spektrums bietet Crosse „Walkin' In Their Shoes“ als warmherzige Erinnerung an diejenigen Musiker, die ihr den Blues beigebracht haben, sowie „Clarksdale Shuffle“ als Tribute an ihre Wahlheimat. „Diese Stadt hat in meinem Leben eine Schlüsselrolle gespielt“, sagt sie über ihren jetzigen Wohnort. „Ich war 18 und frisch von der Schule, als ich zum ersten Mal nach Clarksdale kam. Hier habe ich meine Liebe zum Blues entdeckt. In den Jahren darauf bin ich jedes Jahr zum ortsansässigen Sunflower Blues Festival gefahren, egal wie weit ich weg war, und schließlich bin ich nach Clarksdale gezogen.“
Von ihrer Zusammenarbeit mit der Produzentenlegende Gaines ist Crosse hellauf begeistert. „Jim hat es geschafft, meinen Gitarristen von Song zu Song völlig unterschiedlich klingen zu lassen. Ebenso meinen Keyboarder. Die Sounds sind vielfaltig und auch vielschichtig, von der B3-Orgel über Piano im Stil eines Pinetop Perkins oder dieses abgefahrene Ray Charles E-Piano…“ Ebenfalls erreichte sie unter Gaines Leitung gesanglich eine neue Bestleistung. „Er hat Töne aus mir heraus gekitzelt, von denen ich gar nichts wusste“, sagt Crosse über neue Facetten wie etwa ihr Fauchen beim Etta James-Klassiker „Damn Your Eyes“. Er gehört zu den mutigsten Momenten dieses etwas anderen Bluesalbums: Groovin‘ At The Crosse Roads geht im Gegensatz zu vielen aktuellen Produktionen nicht mit dem Vorschlaghammer ran, sondern greift stattdessen zu einem Satz feiner Pinsel, um eine bodenständige Blues- und Soullandschaft zu kreieren. Diese Aufnahme, glaubt Crosse, spiegelt ihre bisherige Reise in der Welt des Blues erfolgreich wieder. „Es ist alles, was ich gehofft hatte und noch viel, viel mehr.“
  

Biografie Eliana Cargnelutti

Electric Woman markiert das internationale Solo-Debüt der italienischen Musikerin Eliana Cargnelutti und zeugt einmal mehr von Ruf Records' Bereitschaft, über den Tellerrand zu schauen. Das Projekt vereint einzigartige Talente aus diversen Genres und verschiedenen Teilen der Welt. Dazu gehört der gefeierte amerikanische Bluesman Albert Castiglia, der das Album produziert, sowie der Rock- und Metal-Spezialist Timo Rotten, der die Platte in seiner deutschen Heimat aufgenommen und abgemischt hat. Mit dabei im Studio waren die erfahrenen Allrounder Jamie Little (Schlagzeug), Roger Inniss (Bass) und John Ginty (Keyboard). Gemastert wurde Electric Woman in New Orleans vom Grammy-Gewinner David Farrell (Irma Thomas, Royal Southern Brotherhood u.v.a.).  
Im Mittelpunkt steht natürlich die Sängerin und Gitarristin Cargnelutti, die eine freche und rebellische Attitüde mit enormem technischem Können verbindet. In ihrer jungen Karriere spielte die aufstrebende Künstlerin aus dem italienischen Udine schon neben den Besten der heimischen Blues-Szene und war auch im Soul-, Jazz-, Funk- und Heavy Metal-Bereich unterwegs. „Ich komme vom Rock und Metal“, verrät sie. „Sie werden immer Teil meiner musikalischen Sprache bleiben.“ Tatsächlich zeigen Tracks wie „Just For Me“ oder „Show Me“, dass Hard Rock und Heavy Metal ihr noch immer sehr am Herzen liegen. „Hier hört man viele meiner Einflüsse: Guns N‘ Roses, Joe Bonamassa, Eric Sardinas, Susan Tedeschi, Aretha Franklin, Stevie Ray Vaughan und Led Zeppelin.“
Obwohl sie sich vor den Sessions im Herbst 2014 erst ein einziges Mal begegnet sind, war der Produzent Castiglia vom Jungtalent aus Norditalien sofort begeistert. „Eliana ist einerseits eine technisch versierte Gitarristin, versteht es aber auch, sich schwer ins Zeug zu legen. Sie braucht sich vor keiner Gitarristin der Welt verstecken. Ihr Stimmumfang ist dazu sehr beeindruckend und erinnert mich an die großen Sängerinnen der 80er Jahre, wie etwa Joan Jett, Ann Wilson oder Pat Benatar.“
Weil Girls With Guitars – ihre gemeinsame Arbeit mit den Blues Caravan-Tourpartnerinnen Heather Crosse und Sadie Johnson – erst seit einigen Wochen fertig war, blieb Cargnelutti nur wenig Zeit, sich auf das neue Soloprojekt vorzubereiten. Dem großen Druck hat sie standgehalten: Sie schrieb acht neue Songs in nur drei Wochen und kam startbereit ins Studio. „Es war wie eine Art Prüfung für mich und meine Fähigkeiten“, sagt sie Monate später. „Den Druck habe ich zwar gespürt, aber nur, weil ich unbedingt ein gutes Ergebnis wollte. Ohne Fleiß kein Preis!“
Coverversionen von dem Allman Brothers-Titel „Soulshine“, der Savoy Brown-Nummer „Street Corner Talking“ und dem AC/DC-Klassiker „There's Gonna Be Some Rockin'“ runden eine breitgefächerte, von Rock-, Blues- und Soul-geprägte Trackliste ab. Castiglia half mit den Arrangements, feilte mit Cargnelutti an den Songtexten und griff auch selbst mehrmals in die sechs Saiten: Bei „Just For Me“, dem vorgenannten AC/DC-Titel sowie im Rahmen des knisternden Gitarrenduells „Eliana's Boogie“ am Ende des Platte. „Meine Rolle als Produzent“, sagt der in Florida ansässige Bluesman, „war Eliana bei der Verwirklichung ihrer künstlerischen Vision zu helfen. Sie war für konstruktive Kritik offen und verhielt sich äußerst professionell. Wir arbeiten sehr gut zusammen.“
Beim wohl am meisten autobiographischen Stück des Albums – dieses verfasste Cargnelutti erst am Tag vor Beginn der Sessions – geht es um eine Schlüsselfrage, die sich jeder junge Blueskünstler irgendwann stellen muss: „Why Do I Sing The Blues?“ In den Zeilen dieses Songs wird mit großer Offenheit der bisherige Lebensweg der Sängerin erleuchtet: Sie blickt auf eine sorglose Jugend zurück („the best of life under the sun“), berichtet vom täglichen Überlebenskampf einer Berufsmusikerin („teaching days and playing nights“) und schaut letztendlich mit Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft: „I'm ready to take on this great big world, it better be ready for me.“
Auf Electric Woman erweitert Eliana Cargnelutti buchstäblich den eigenen Horizont. Mit viel Engagement und Durchsetzungskraft hat die taffe Italienerin mithilfe einer Reihe von Weltklasse-Studiotalenten ein überzeugendes Debüt auf der internationalen Bühne vorgelegt.

Biografie Candye Kane

Sex und Blues – gibt es da einen gemeinsamen Nenner? Bei Candye Kane ist es gewiss die genussvolle Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit. Die Amerikanerin, die Anfang der sechziger Jahre in East Los Angeles geboren wurde, hat reichlich Erfahrungen in der Sex-Industrie gesammelt, und das ging an ihren Live-Shows nicht spurlos vorüber. Doch Candye Kane ist weit mehr als ein Erotik-Star, der ins Musik-Fach gewechselt ist. Es gilt, eine der ungewöhnlichsten, streitbarsten, schillerndsten und talentiertesten Persönlichkeiten des zeitgenössischen Blues zu entdecken.
Candye Kane musste früh auf eigenen Füßen stehen. Mit gerade mal 16 Jahren war sie Mutter, allein erziehend und auf Sozialhilfe angewiesen. Doch die Hundert-Kilo-Frau wusste mit ihren Pfunden zu wuchern. Sie trat als Stripperin in Bars auf, posierte für die Titelseiten einschlägiger Magazine, agierte als Erotik-Darstellerin und bot ihre Stimme für Telefonsex an. Erstaunlicherweise statteten genau diese Schmuddeljobs die junge Lady mit dem Selbstbewusstsein aus, das sie schließlich von einer Karriere als Sängerin nicht nur träumen ließ.
Schon mit 14 Jahren erhielt das Girl, das einen Stimmumfang von fünf Oktaven besaß, ein Stipendium für das USC Music Conservatory. Doch die Oper war für Candye nicht die Endstation Sehnsucht. Sie schwärmte damals von sanftem Folk-Pop, von Carole King und Linda Ronstadt, und über Ronstadts Plattenaufnahmen tastete sie sich vor in die musikalische Welt klassischer Country-Stars wie Hank Williams oder der Carter Family.
Auch die Broadway-Musicals hatten es Candye angetan. Allein zehn Mal besuchte sie eine Vorstellung von „A Chorus Line“. Am College trat sie in „Oklahoma!“ auf, mit „Cabaret“ stand sie ebenfalls im Rampenlicht. Und sie nahm Gesangsunterricht, immer wieder, neben der Schulausbildung und ihren Aufgaben als Mutter. So auch in der Zeit, als ihr ältester Sohn Evan die ersten Gehversuche machte, und später, als sie mit Tommy, dem zweiten Jungen, schwanger war.
Doch die wahre musikalische Liebe von Candye Kane gehörte nicht dem Musical, sondern dem Blues. Den freilich interpretierte sie so freizügig wie ausgesprochen unorthodox. Dies trug ihr die fantasievollsten Etiketten ein, zum Beispiel „Bette Midler meets Big Mama Thornton“: die resolute, in Hollywood-Wolle gewaschene Show-Pflanze Midler und die würdige Blues-Veteranin Thornton aus Alabama – durchaus zutreffend ist hier das Spannungsfeld in Candye Kanes Schaffen beschrieben. Denn diese Frau ist nicht nur Sängerin, sondern Entertainerin mit Leib und Seele, ihre Musik hat Soul, Rock-Biss und mitreißenden Swing, und wer das Glück hat, Miss Kane live zu erleben, hört von der Bühne nicht nur die gängigen Blues-Lamentos über entfleuchte Liebhaber, sondern unter Umständen eine gepfefferte Predigt über den Segen der irdischen Liebe. Auf ihrer Homepage www.candyekane.com lässt sie sich denn auch portraitieren als eine Diva, deren Bestimmung es ist, uns dabei zu helfen, unsere Sexualität zu feiern, Vorurteile zu besiegen, unsere Träume zu leben und eine verdammt gute Zeit auf der Tanzfläche zu haben:
„She’s a diva who is here to help us celebrate our sexuality, shatter stereotypes, live our dreams, and have a damn good time on the
,dance floor.“
Ein US-Journalist nannte Candye Kane eine „updated version of Bessie Smith”. Ob der Texaner Clifford Antone dasselbe dachte, als er der Kalifornierin das erste Mal begegnete, ist nicht überliefert. Wohl aber, dass der umtriebige Clubbesitzer, Talentförderer und Labelchef aus Austin von Candye Kanes Performance so überzeugt war, dass er ihr einen Plattenvertrag anbot. Das Resultat: die drei höchst respektablen Alben „Home Cookin’“ (1994), „Knockout“ (1995) und – der Höhepunkt der Trilolgie – „Diva La Grande“ (1997).
Das Swing-Revival in den späten Neunzigern führte zu einem kurzen Intermezzo bei der großen Industrie: Das zur Warner-Familie gehörende Sire-Label produzierte mit Candye 1998 das aufwendig arrangierte Album „Swango“. Für „The Toughest Girl Alive“ – nomen est omen – schlüpfte die Lady wieder bei einer kleineren Liebhaberadresse, bei Rounder Records, unter: eine gute Wahl, denn diese Firma ist von Blues bis Folk auf amerikanische Roots Music aller Art spezialisiert.
„Whole Lotta Love“ – in gewisser Weise Candyes Lebensmotto – wurde schließlich 2003 im kalifornischen Topanga Canyon für das deutsche Blues-Label Ruf Records aufgenommen. Unter den Begleitmusikern finden sich klangvolle Namen wie der Gitarrist Charlie Musselwhite, Ex-Little-Feat-Drummer Ritchie Hayward, Canned-Heat-Bassist Larry Taylor und Saxofonist Brandon Fields.
Candye Kane ist eine Persönlichkeit mit vielen Facetten – und das zeigt sie auf der Bühne wie im Plattenstudio. Der angenehme Nebeneffekt: Mit ihrer Stimme, bei der die Washington Post an ein Naturwunder wie den Grand Canyon dachte („a natural wonder like the Grand Canyon“), und mit ihrer unverwechselbaren Erscheinung gelingt es ihr, dem Blues ein Publikum zu erschließen, das zuvor von dieser Leidenschaft nichts wusste. „I’m bringing people to the blues who don’t think they like it!“ sagt Candye Kane stolz.

Biografie Thorbjørn Risager

Das nennt man wohl ein schwieriges Erbe: 2014 brachten Thorbjørn Risager & The Black Tornado mit Too Many Roads ihr preisgekröntes neuntes Album heraus, für das der Frontmann mit der Reibeisenstimme und seine siebenköpfige Band weltweit mit Lob überschüttet wurden. Für die Fans, die der Kopenhagener Band seit 2003 folgen, war es die beste Veröffentlichung ihrer bisherigen Karriere. Doch wir hatten alle Unrecht. Mit Change My Game hat Thorbjørn die Messlatte noch einmal ein Stück höher gelegt. Anstatt wie andere Bands weiter auf den einmal bekannten Pfaden zu wandeln, hat sich die Band neue kreative Gründe erschlossen, probiert neue musikalische Richtungen aus und liefert ein ganzes Bündel kühner Songs ab, die direkt und eingängig und zugleich reich an tieferer Bedeutung sind. Veröffentlicht im Januar 2017 auf Ruf Records ist Change My Game nicht bloß ein Albumtitel, sondern steht zugleich für das Ethos, dem die Band von Anfang an gefolgt ist. Seit ihrem ersten Erfolg mit From The Heart in 2006 haben Thorbjørn und seine All-Star-Band die üblichen Schubladen und Genregrenzen einfach hinter sich gelassen. Mit jedem gemeinsamen Jahr auf Tour wuchs ihr Mut zum Experiment weiter. Jetzt, auf ihrem 11. Album, ist ihr musikalische Reichweite größer denn je, mit dynamischen Arrangements, die die Band mit ihrer Musikalität und Thorbjørn mit seiner elektrisierenden Stimme durch die Decke jagen. Change My Game erreicht endlich den Studiosound, den Thorbjørn immer schon im Kopf hatte. Zum ersten Mal haben sich die acht Musiker dazu entschieden, das gesamte Album selbst zu produzieren und abzumischen. Das Resultat ist eine äußerst organische Produktion, die ihr bisher bestes Songmaterial wundervoll zur Geltung bringt. Rock-beeinflusste Songs wie „Dreamland“ sind hart, wild und leidenschaftlich. Balladen wie die Vorabsingle „I Used to Love You“ besitzen schmerzhafte emotionale Kraft. Für die Fans, die die frische Art mögen, mit der die Tornados klassischen Blues interpretieren, gibt es „Train“, das mit dem Geräusch einer Lokomotive, einer einsamen Stimme und akustischer Gitarre einsetzt – ehe die Band den Schalter umlegt und den Song zu seinem von Bläsern gestützten Höhepunkt treibt. In Zeiten, in denen die Musikindustrie von Technologie bestimmt wird, ist Change My Game ein Album, das von der Chemie zwischen Menschen lebt, die mehr als 800 Shows in 21 Ländern von Kanada bis Indien miteinander gespielt haben. Als Menschen, die sehr an die Kraft von Live-Musik glauben, kommen Thorbjørn und die Band 2017 mit Change My Game auf Tour. Mit einem Terminplan, der sie rund um den Planeten führt, werden sie es überall ordentlich krachen lassen und viele neue Fans hinzugewinnen. Thorbjørn Risager & The Black Tornado spielen derzeit auf dem Höhepunkt ihrer 14 Jahre währenden Karriere. Vielleicht haben Sie gedacht, dass die Band mit Too Many Roads schon ihren Zenit erreicht hat. Mit Change My Game allerdings gibt es nur eine Richtung – weiter nach oben...

FAKTEN:

#           Obschon sie aus dem kleinen Dänemark stammen und ihre Alben bis 2014 auf einem ebenso kleinen dänischen Label veröffentlicht haben, hat sich die Band Lob und Anerkennung in Kanada und ganz Europa erspielt.

#           Sie haben über 800 Shows – mehr als 200 davon auf Festivals – in 21 Ländern gespielt, darunter auch in Kanada und Indien.

#           Sie haben zwei Jahre in Folge einen dänischen Grammy gewonnen.

#           In Deutschland, wo sie vor kurzem im legendären Rockpalast im TV zu sehen waren, haben sie einen der prestigereichsten Preise des Musikbusiness gewonnen.

#           In Großbritannien wurden sie vom Classic Rock Blues Magazine mit auf die CD der besten Veröffentlichungen des Jahres 2014 genommen.

Die Band wurde 2003 gegründet und ist bis auf zwei Ausnahmen noch in der Originalbesetzung zusammen

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