Biografie Samantha Fish, Dani Wilde, Victoria Smith

2011 gingen unter dem Namen "Girls with Guitars" drei der heißesten Musikerinnen der heutigen Bluesszene gemeinsam auf Tour. Mit ihrem Streifzug durch die Clubs und Festivals auf beiden Seiten des Atlantiks hinterließen sie eine Welle der Begeisterung. Keiner der Beteiligten - weder die zahlreichen Besucher noch die Künstlerinnen selbst - wollte, dass sich am Ende der Tour die Band in dieser Zusammensetzung auflöst.
Die erfreuliche Nachricht: Der Spaß geht weiter! Die 8. Ausgabe des Ruf Records Blues Caravans heißt treffend "More Girls with Guitars" und steht schon ab Januar 2012 in den Startlöchern.
Die aus Kansas City stammende Samantha Fish war zwar jüngstes Mitglied des letztjährigen "Girls with Guitars"-Trio, schnell rückte sie aber in den Mittelpunkt des Geschehens und hat im Laufe der Tour die Vorankündigung als neuer Stern am Blueshimmel glanzvoll bestätigt. Trotz ihres Alters singt und spielt die 22-jährige mit einer erstaunlichen Reife und Souveränität. Dies zeigte sie in den zehn Songs ihres Debütalbums Runaway, das pünktlich zum Blues Caravan 2011 erschien und gekonnt den Bogen zwischen Blues, Boogie, Rock und Country spannte. "Das blonde Nachwuchstalent aus Missouri glänzt ... mit einer vorzüglichen Gitarrenarbeit, vor allem aber mit einer großartigen Stimme, die längst nicht nur eingefleischte Bluesfans in den Bann zieht." (Baden Online)
Dani Wilde hat mittlerweile reichlich Caravan-Erfahrung gesammelt und ist 2012 schon zum dritten Mal dabei. Die zierliche Sängerin und Songwriterin aus dem englischen Brighton kombiniert die Intensität der "Queen of Soul" Aretha Franklin mit einem poppigeren Einschlag und begeistert auch mit einem ausgeprägt kantigem Gitarrenstil. Bei der vergangenen Tour galt ihre Performance von Titeln wie "Abandoned Child" oder "Red Blooded Woman" der aktuellen CD Shine als besonderer Konzerthöhepunkt. "Was für eine tolle Sängerin ist das! Ihre Stimme röhrt, immer voller Leidenschaft, mit Power und gequältem Ausdruck auch in der Höhe. Und das Publikum ist völlig hingerissen von so viel aufgetürmter Leidenschaft." (Badische Zeitung)

Ebenfalls aus Brighton kommt der Neuzugang Victoria Smith, die die "Girls with Guitars" am Bass unterstützen wird. Die sehr gefragte Musikerin spielte schon in zahlreichen Rockbands (u.a. auch bei der Punkkapelle The Ramonas), kam aber ursprünglich durch die Liebe zu Motown-Soul und ihre Bewunderung für den legendären Session-Bassisten James Jamerson zum Bass. Sie gehört in Großbritannien zu den besten ihres Fachs und wird mit dem stets zuverlässigen und Blues Caravan erprobten Denis Palatin am Schlagzeug eine 1A-Rhythmusgruppe bilden.
Wer die "Girls with Guitars" schon 2011 live erlebt hat, sollte sich für einen ebenso dynamischen wie musikalisch schillernden Bluesabend bereit machen. Weitere Informationen zu "More Girls with Guitars" gibt es bei: www.bluescaravan.de

Biografie Samantha Fish

Im Laufe ihrer ersten drei Soloprojekte für Ruf Records hat sich Samantha Fish schon mehrfach bewiesen – durch cleveres Songwriting, ein packendes Gitarrenspiel und nicht zuletzt als unnachahmliche Bluessängerin. All diese Facetten gab es schon auf ihrem Erstlingswerk Runaway zu bestaunen, mit dem sie 2012 den Blues Music Award für das „Best New Artist Debut“ einheimste. Auf den beiden Nachfolgern Black Wind Howlin' und Wild Heart sowie bei Hunderten von Konzerten zeigte sich die junge Künstlerin aus Kansas City stets risikobereit: Hier polterte sie kräftig in Richtung Classic-Rock, dort gab sie eine ruhige Bluesballade zum Besten. Noch nie war der stilistische Sprung aber dramatischer als auf Chills & Fever. Ihr viertes Album entpuppt sich als eine energiegeladene Liebeserklärung an den Rock'n'Roll und Rhythm 'n Blues der 60er und 70er. Dafür reiste Fish in eine der traditionsreichsten Musikmetropolen der USA, nämlich Detroit – eine Stadt, die Aretha Franklin, Jackie Wilson, Stevie Wonder und zahllose andere Größen des Rock'n'Roll und R'n'B hervorbrachte. Dort bekam sie tatkräftige Unterstützung von prominenten Mitgliedern der Detroit Cobras (einer 1994 gegründeten Garage-Rock-Combo) sowie von den Bläser-Routiniers Mark Levron und Travis Blotsky. Das Können dieser hochkarätigen Studioband ließ sich die Blueslady in die R'n'B- und Soulmusik ihrer Jugend neu verlieben. „Leute wie Ray Charles und Otis Redding gehörten früher zu meinen absoluten Lieblingen«, blickt Fish auf ihre Vergangenheit zurück. Auf Chills & Fever holt sie 14 bekannte und weniger bekannte Songperlen aus der Musiktruhe und verpasst ihnen einen neuen Glanz. Dass dieser Abstecher in das 20. Jahrhundert einen Mordsspaß macht, wird direkt bei der Neuauflage von „He Did It“ klar – der einstige R&B-Hit von den Ronettes ist nur eine von vielen schwungvollen und durchaus tanzbaren Nummern auf der Scheibe. Woanders bestechen die Musiker mit betörendem Voodoo-Feeling, rührendem Soul und von Bläsern getriebenem R’n’B. Durch diese vielseitige Mischung erinnert die Sängerin diesmal weniger an Blueslegenden wie Buddy Guy oder R.L. Burnside und mehr an Stilikonen wie Amy Winehouse und Imelda May. Samantha Fish hat keineswegs vor, dem Blues für immer den Rücken zu kehren –immerhin gibt es auf Chills & Fever auch bluesige Momente. Doch fürs Erste schlüpft sie in ein neues Kostüm – gern mit Leopardenmuster! – und genießt den Stilwechsel in vollen Zügen. „Ich glaube, ich habe noch nie so viel Spaß im Studio gehabt als bei dieser Platte“, freut sie sich. „Ich liebe den Klang der Bläser und die Intensität der Songs mit ihren vielen Ecken und Kanten. Eins ist jedenfalls sicher: Ich habe mich nie authentischer gefühlt.“

Biografie Royal Southern Brotherhood

Noch bevor sie einen allerersten Akkord angeschlagen haben, geniessen Royal Southern Brotherhood die ungeteilte Aufmerksamkeit. Im Süden der U.S.A., dort wo Musik nicht nur Musik sondern Religion ist, stechen zwei Rock 'n' Roll Dynastien ganz besonders hervor. Das bloße Erwähnen der Allman- und Neville Brothers ruft in sämtlichen Bars zwischen Mississippi und Maryland die unglaublichsten Reaktionen hervor. Unterhaltungen verstummen abrupt. Das Billardspiel wird unterbrochen. Hüte werden respektvoll gelüftet und Bierflaschen zum "Salut" erhoben. Und um es direkt vorweg zu nehmen: Wir sprechen hier von Göttern und nicht einfach nur von Bands - und eine Besetzung, die sowohl Cyril Neville als auch Devon Allman aufführt, schürt große Erwartungen. Wir dürfen versichern: Royal Southern Brotherhood erfüllen jede einzelne dieser Erwartungen!
Aber: So vielversprechend sich der "Stammbaum" auch liest - Royal Southern Brotherhood begründet sich auf dem musikalischen Talent jedes einzelnen Mitgliedes. Hier geht es nicht um sentimentale Rock Historie. Hier geht es um das Hier und Jetzt!

Doch spulen wir zurück zum Sommer 2010. Wir spüren wieder die stickige Hitze New Orleans. Diese Stadt, in der die Allmans' in viel früheren Jahren Hausband des legendären "Warehouse" waren, wird nun zur Kulisse des entscheidenden Zusammentreffens von Cyril, Devon und Mike Zito. Ihre Gespräche führen letztlich zur Gründung einer völlig neuen Art von Blues-Rock Band - und als in einem abgeschotteten Studio in New Orleans' Garden District die ersten "Jams" beginnen, scheint die Luft zu flirren - so eindeutig stimmt die Chemie zwischen den Musikern.

Eine handvoll Demos ließ das Potential dieses Projektes bereits erahnen und das Netz summte geradezu, als ein Hagel von "Teaser Videos" bei YouTube einschlug - doch ihren sentationellen Durchbruch hatten Royal Southern Brotherhood mit ihrer Debüt Show in der "New Orleans Rock 'N' Bowl" im September 2011. Das ist feinster Südstaaten Rock und doch irgendwie anders, als wir ihn kennen. Es ist ein Konglomerat des Besten, was die Nevilles und die Allmans an stilistischen Feinheiten mitbringen - angereichert mit einer gehörigen Portion Raketentreibstoff. Die Reaktion des Publikums: "RSB durchschlägt die Rockszene wie eine Abrissbirne..."!

Diese Bandbesetzung hat das Zeug Geschichte zu schreiben.

Bestens bekannt: Cyril Neville. Poet, Philosoph, Percussion Meister und der vielleicht letzte große Soulsänger der Südstaaten. Mit 63 schreibt er nun am letzten Kapitel seiner beispiellosen Karriere, die 1970 mit seiner Solo Single "Gossip" und dem Eintritt in die Funkband The Meters seines älteren Bruders Art beginnt. Er übernimmt Vocals und Percussions in der Band und mit Alben wie "Cabbage Alley" (1972), "Cissy Strut" (1974) und "Fire On The Bayou" (1975) klettern The Meters unaufhaltsam in die Charts - 1975 eröffnen sie auf Einladung Mick Jaggers gar die "Rolling Stones Stadium Tour". Cyril ist der Schlüssel zum Erfolg der Neville Brothers, er erschafft magische Momente mit Größen wie Bob Dylan, Bono und Willie Nelson, er tourt mit Funkact Galactic, leitet sein Soloprojekt Tribe 13 und absolviert zahlreiche TV-Auftritte z.B. in der Late-Night-Show "Jimmy Kimmel Live!" und der Dramaserie "Treme".
Ein mörderischer Lebenslauf - doch Cyril startet weiter durch!

Im September 2014 gab Mike Zito den Austritt aus der Band bekannt, um sich nunmehr auf seine Solokarriere mit seiner Band The Wheel zu konzentrieren. Er ist schwer zu ersetzen, doch mit Sänger und Gitarrist Bart Walker hat die Band einen ebenbürtigen Ersatz gefunden. Bart Walker gewann 2012 den begehrten Preis als bester Gitarrist bei der International Blues Challenge. Sein erstes Soloalbum für Ruf Records (Waiting On Daylight) hat er bereits Anfang 2013 veröffentlicht, während er parallel mit dem Blues Caravan durch Europa, Kanada und die USA tourte.

Im April 2015 wurde Devon Allman durch keinen geringeren als Tyrone Vaughan ersetzt. Tyrone stammt aus einer Familie, die den Blues im Blut hat. Wenn dein Vater Jimmie Vaughan und dein Onkel der viel gepriesene Stevie Ray ist (der Tyrone seine erste Gitarre im Alter von 5 Jahren gab), dann kann das ein Segen oder auch eine Fluch sein. Von Tyrone wird viel erwartet, wenn er eine Bühne betritt, und es braucht Courage, solch einer Familientradition zu folgen. Zum Glück beeinträchtigte Tyrone dies nicht, sodass er seinen eigenen Stil entwickeln konnte. Er ging seinen eigenen Weg und arbeitete sich als Teenager durch die Clubszene Austins und schließlich ganz Texas‘. Durch harte Arbeit und den ein oder anderen Ratschlag seiner Familie entwickelte er eine gefühlvolle Stimme und einen Gitarrenstil, der Blues, Rock und Country verbindet.

Aber wie Cyril immer sagt: "Auf die richtigen Zutaten kommt es an!" - und aus genau diesem Grund besteht die Rhythmusgruppe der RSB aus keinen Geringeren als Bassist Charlie Wooton und Yonrico Scott, beides schwergewichtige Namen aus der einschlägigen Szene der Südstaaten; so schlug Scott bereits bei der Derek Trucks Band, Greg Allman und den Allman Brothers selbst auf die Felle.

Diese fünf brillanten Musiker, gemeinsam als Royal Southern Brotherhood unterwegs, werden einiges auszurichten wissen...

Biografie Omar Kent Dykes & Jimmie Vaughan

Der Jimmie Reed Highway ist eine vielbefahrene, genauso sagenumwobene Straße durch den Süden der United States wie auch Robert Johnsons mythische Crossroads. Sie führt durch den Geist von Männern und Frauen eines ganz bestimmten Schlages, nämlich derer, die in einem Umfeld von Rassentrennung aufgewachsen sind und gegen ihre Eltern, das Gesetz, all den affektierten Anstand und alte Gepflogenheiten rebelliert haben. Sie folgten einfach der Einladung eines einzigen Bluesman, überquerten die Colorline und begleiteten ihn auf seinem Weg, um die Wahrheit zu finden, während er sie, eine ganze Generation, von der Bühne aus, durch Jukeboxen und durch das Radio beschallte.
Es war für sie wie ein Sirenenruf, dieser schmutzige, kehlige Sound eines weisen Mannes, der "Hush, Hush" singt. Damit holt er den "Big Boss Man" von seinem Thron oder weist den Hörer an, sich einiger Versicherungen zu entledigen ("Take Out Some Insurance"), bevor sie die hellen Lichter der großen Stadt erblicken ("Bright Lights, Big City"). Ein Sirenenruf, der keine andere Möglichkeit lässt, als zu antworten. Selbst wenn sie es versucht hätten, hätten sie diesem stetigen, dreckigen, Rhythmus widerstehen können, der nur vom scharfen Näseln einer E-Gitarre und dem süßen Jaulen einer Mundharmonika unterbrochen wird. Und wenn sie sich zusammenlehnen, können sie sogar die kaum wahrnehmbare Stimme einer Frau hören die vergessene Lyrics in ihre Ohr flüstert.
Niemand kann das vollbringen, was nur Jimmie Reed schafft. Aber diese Fahrt den Jimmie Reed Highway herunter, mit dem aus Mississippi stammenden Kent "Omar" Dykes am Steuer, mit Jimmie Vaughan (dem älteren Bruder des legendären Stevie Ray Vaughan) als Beifahrer, und in Begleitung von Leuten wie Kim Wilson, Miss Lou Ann Barton, James Cotton, Delbert McClinton, und Gary Clark, Jr., kommt dem gewaltig nah. Wenn Omar den Motor tritt und richtig Gummi lässt auf der zweispurigen Teerdecke, die gesäumt ist von fragwürdigen Frauen, leeren Whiskeyflaschen, zu vielen Zigarettenkippen und schlechten Intentionen, lässt er John Law hinter sich seine Abgase schlucken. Spring auf und dreh laut! Der elektrische Bluesman der den Verstand schärft und eine musikalische Generation bewegt lebt und es geht ihm gut.

Biografie Omar & The Howlers

Austin ist nicht nur Hauptstadt von Texas, sondern auch Heimat vieler der besten Rootsmusiker in den Vereinigten Staaten. Seit den 1970ern vermischen sich in der pulsierenden Clubszene der Stadt die Stile von draufgängerischen Bluesmusikern, rebellischen Country-Fingerpickern und mit Reibeisenstimmen ausgestatteten Rockern. Kent "Omar" Dykes nennt Austin sein Zuhause. Dort spielte er zusammen mit einigen der namhaftesten Songwriter und Musiker seiner Wahlheimatstadt auch sein letztes Ruf Records-Studioalbum Boogie Man ein.

Dykes kommt ursprünglich aus McComb, Mississippi, einer Kleinstadt, die sich auf eine kuriose Weise ausgezeichnet hat - aus McComb stammen nämlich sowohl Bo Diddley als auch Britney Spears. Die Geschichte seiner Jugend ist mittlerweile allseits bekannt: Mit sieben fing er an, Gitarre zu spielen, mit 12 hing er schon in den Juke Joints am Stadtrand herum, mit 13 kam er zu seiner ersten Band. Das nächstälteste Bandmitglied war übrigens schon 50. Gab es während einer ihrer Auftritte eine Schießerei, war das kein Problem - in dieser Musikszene wurden Schüsse lediglich als ein weiteres Perkussioninstrument betrachtet.

Mit 20 spielte Kent Dykes bei einer übergeschnappten Partyband - den Howlers. Ihre Spezialität war es, auf sogenannten "Frat Parties" (Parties in den Häusern der Studentenverbindungen) zu spielen. Dykes erinnert sich: "Wir hatten einen Bariton- und einen Tenorsaxophonisten. Alle beide trugen Henry Kissinger-Masken und nannten sich deshalb die Kissinger Brothers. Nicht bei jedem Stück, verstehen Sie. Manchmal traten sie als Dolly Parton und Cher auf. Sketches mit Pappfiguren aus dem Plattenladen gehörten ebenfalls zu unserem Repertoire." Auf der Bühne machten sie Pseudo-Werbung für Produkte wie Sunshine Collard Greens und Howlers' Brathähnchen - "für den altmodischen Genuß, der nach Grandma schmeckt."

Es war eine verrückte Zeit, die eine Menge Spaß gemacht hat. Die raubeinigen Howlers spielten R&B, Rock'n'Roll und gelegentlich sogar Polka und Western Swing. Zehn Jahre davor und 250 Meilen nördlich von McComb hatten Steve Cropper und Duck Dunn als Mitglieder der Mar-Keys, einer Party Band aus Memphis, in genau dieser Weise erste musikalische Erfahrungen gesammelt.

Aber eigentlich wollte Kent Dykes den Blues spielen. Inzwischen nannten ihn seine Howlers-Kollegen "Omar Overtone" weil er oft mit Feedback experimentierte und zwar nachdem er sich spontan auf den Rücken fallen ließ und sich in einer Art "Breakdance-Performance aus dem Übergrößenladen" in einem Kreis drehte. Zu solch akrobatischen Einlagen wurde er manchmal von Alkoholkonsum getrieben, gibt er augenzwinkernd zu.

1976 entschieden sich die Howlers einen großen Schritt zu wagen und sind nach Austin umgesiedelt. Die Stadt hatte sich mit Clubs wie Soap Creek Saloon, Broken Spoke, Armadillo World Headquarters und Antone's zu einer Hochburg der Indie-Szene entwickelt. "In Austin blieben wir noch ungefähr ein Jahr zusammen", erzählt Omar. "Die anderen waren aber letztendlich nicht bereit, für den Rest ihres Lebens Berufsmusiker zu sein. Sie kehrten nach Mississippi und Arkansas zurück. Ich durfte den Namen behalten. Keiner hatte irgendwas dagegen." Dykes meint, der Name Omar & the Howlers klingt deutlich besser als Kent & the Howlers. Eine solche Entscheidung kann den Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern bedeuten.

Mit einem neuen Line-up staltete Dykes die Howlers um. Sie sollten sich sich nun rauhem und dreckigem Blues a la Howlin' Wolf und Hound Dog Taylor verschreiben - die Art Blues, die Don Van Vliet inspirierte, Captain Beefheart zu werden.

Inzwischen hatten sich in Austin auch die Fabulous Thunderbirds zusammen gefunden. Stevie Ray Vaughan, kleiner Bruder des T-Bird Gitarristen Jimmie Vaughan, hatte zusammen mit Lou Ann Barton, dem zukünftigen Double Trouble-Schlagzeuger Chris Layton und Jackie Newhouse (LeRoi Brothers) Triple Threat gegründet. Die T-Birds gingen 1979 als Erste der Szene ins Studio; Omars Debüt Big Leg Beat (1980) ließ aber nicht lang auf sich warten. Mit ihrem zweiten Album I Told You So (1984) festigten die Howlers ihren Ruf als die Lokalhelden schlechthin - vor allem entlang der berühmten Vergnügungsmeile der Sixth Street. 1985 und 1986 wurden sie in Austin zur Band des Jahres gekürt.

Ein Jahr später bekam Omar bei Columbia Records einen Plattenvertrag. Das erfolgreiche Album Hard Times in the Land of Plenty (1987), das mehr als 500,000 Mal über den Ladentisch ging, und Wall of Pride (1988) folgten. Seitdem hat Omar weitere zwölf Alben veröffentlicht. Bei jedem stehen seine markante Gitarre und unverkennbare Bariton-Stimme im Vordergrund - manche Kritiker hören in Dykes' Gesang eine Kreuzung aus klassischem Howlin' Wolf und dem warnenden Knurren eines großen Menschenaffen. Mit seinen überdimensionalen Talenten hat Omar eine internationale Fangemeinde aufgebaut und mehrere wichtige Awards sowie einen Platz in der Texas Musicians' Hall of Fame gewonnen.

Bei der Arbeit an Boogie Man, seinem letzten Studioalbum für Ruf, bat Omar mehrere Songwriter um Hilfe, die in den 27 Jahren seit seiner Umsiedlung von Mississippi nach Texas Freunde geworden waren. Zehn der elf Titel auf der auf 55-Minuten laufenden Scheibe hat er gemeinsam mit ihnen geschrieben. "Inzwischen macht mir diese Zusammenarbeit mit Songwriter-Kollegen eine Menge Spaß. Ich betrachte die Songs quasi als geschenkt. Allein fehlt mir oft die Geduld, mich hinzusetzen und Songs zu schreiben. Aber wenn man sich mit Freunden trifft, Kaffee trinkt, Witze und Geschichten erzählt, und erst danach den Song schreibt, wird es immer anders als das, was man sich vielleicht vorher ausgedacht hat."

Mit solchen Texas-Ikonen wie Ray Wyle Hubbard, Darden Smith, Alejandro Escovedo und Stephen Bruton ist das auch nicht gerade Schwerstarbeit. "Einige von ihnen hatte ich länger nicht gesehen", erklärt Omar. "Sie spielen in Bands und gehen ebenfalls auf Tour. Wenn wir uns dann sehen, reden wir viel über vergangene Zeiten. Ray Wyle kenne ich zum Beispiel mittlerweile 20 Jahre - lange war das eher oberflächlich, aber jetzt sind wir gute Freunde geworden. Früher war er genau wie ich eher mit Trinken und Feiern beschäftigt."

Neben seinen Songwriter-Kollegen holte Omar auch einige befreundete Musiker ins Studio, darunter die beiden Gitarristen Chris Duarte und Jon Dee Graham (True Believers), Chris Layton und Tommy Shannon von Stevie Ray Vaughans Double Trouble, George Rains (Sir Douglas Quintet und Studio-Drummer bei unzähligen Antone's-Sessions) und seine häufigen Mitstreiter Terry Bozzio (Missing Persons, Jeff Beck, Frank Zappa) und Malcolm "Papa Mali" Welbourne.

Über die Aufnahme zu Boogie Man erzählt Omar: "Ich war über sieben Monate auf Tour mit nur wenigen freien Tagen, die ich dann im Studio verbracht habe. Ich hätte mir gerne die eine oder andere Erholungspause gegönnt. Aber die Erfahrung, zusammen mit Freunden Songs zu schreiben und aufzunehmen, war sehr befriedigend. So ein Album wollte ich schon sehr lange machen."

Was die Zukunft betrifft: Omar wird immer wieder auf Tour gehen. "Ich spiele immer noch 150 oder 160 Shows im Jahr. Wenn man dazu noch die Reisetage anrechnet, verbringt man eine Menge Zeit weg von Zuhause. Mir kommt es so vor, als ob wir immer mit dem Flieger unterwegs sind." Zurzeit tourt Omar mit dem Bassisten Barry Bihm und dem Schlagzeuger Kevin Hall.

Oder, wie er schon bei "That's Just My Life" sang: "Von Pittsburgh runter nach Knoxville, Tennessee, ist es ein weiter Weg. Ich fahre lange Strecken, aber das ist ok für mich. Nachts findest du mich im Roadhouse, tagsüber lasse ich viele Meilen hinter mir. Der Asphalt hört nie auf, ich wurde für den Highway geboren."

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